Vorhaben:
Der Zyklus der ersten zwei Phasen soll immer wieder durchlaufen
werden - so lange, bis sich die Notwendigkeit des ÜBERGANGS in eine neue Form
manifestiert.

Hypothesen einer Struktur:
1.PHASE - ANGST
(vorbewusste Phase - ich fühle)>
Ich bin allein.
Es kommt ein anderer.
Ich tue etwas oder auch nichts.
Der andere ist immer
noch da.
Die Tatsache ist Gewalt.
Ich wehre diese Zumutung ab.

2.PHASE - DER BLICK
(bewusste Phase - ich sehe)
Es ist die Tatsache,
dass der Andere da ist - ich kann ihn ja nicht einfach verschwinden lassen.
Was
bedeutet es für mich, gesehen zu werden?
Worin besteht mein Verwickeltsein
in dieses andere Sein?
Macht der andere mich zum Objekt - wie groß ist mein
Eigenanteil - was könnte ich aus der Objekthaftigkeit für Vorteile ziehen?
Ob ich will oder nicht, bin ich für den anderen da.
Der andere schaut
mich an >>> das löst ein Unbehagen aus
Ein doppeltes Unbehagen.
Ich
bin mir selbst entzogen.
Ich bin in dieser Situation (be)gefangen.
Das
Andere ist der Dieb. Ich kann den anderen bekämpfen.

ÜBERGANG Wie erhalte ich mich zurück?
3.PHASE - DER ANDERE
(Erkenntnis, Entlastung)
Der andere ist eine Zumutung
- immer noch und immer wieder.
Kann ich den anderen nutzen, mich mir selbst
zurückzugeben?
Wenn ich ihn hassen kann, kann ich genauso gut anstreben,
ihn zu lieben. Oder wenigsten zu meinem Fleisch machen.
Was der kann,
kann ich auch.
Aber was ist, wenn der Kampf vorbei ist - die umgekehrte Inbesitznahme?
>>> wenn ich den Kampf gewonnen habe
Egal wie - die Enttäuschung
ist positiv, die Niederlage ist heilsam.
Der andere entlastet mich doch auch
von mir selbst - schafft Erleichterung.
Dennoch bleibt der unauflösliche,
nicht verhandelbare Rest.

4.PHASE - DAS ANTLITZ
(Lösung, Loslassen, Ankommen)
Zwei Strategien
bieten sich an.
Zurückfallen in die Angstvisionen meines Heimkinos.
Mich
dem anderen zu überlassen >>> die Gelassenheit - zu sein
Die Reise
von sich zu sich zu machen.
Der andere ist mein Fahrzeug, sein Antlitz der
AbGrund >>> ich habe keinen anderen Grund als ihn.
Im Antlitz des
Anderen werde ich von Gott angeschaut.
Wieder bei sich Ankommen heißt im
Angesicht des Anderen existieren/leben zu können.
Ich schenke mir die Freiheit
den anderen nicht besitzen (definieren, bestimmen) zu müssen.
Das fazinierende für mich an diesen Tagen des künstlerischen Forschens an diesem Thema des Antlitzes, dem Eigenen und Fremden waren für mich die Momente in den Improvisationen, wo das beständig gleiche agieren und reagieren in Bezug auf die Anderen endete und der Raum offen war für neue Facetten und Wendungen im Miteinander.
Wo die Neugier das Misstrauen ablöste und die Intention ein Mit-einander zu gestalten, das nicht auf Kosten der "Eigen-art" des Einzelnen ging, Raum und Möglichkeit für eine andere Art der Begegnung öffnete. Diese Art des direkten unmittelbaren Ausdrucks ohne Schnörkel und sonstig "sozial antrainierten Verhaltensweisen/Beiwerk" ermöglichte ein schnelles auf den Punkt kommen. Eine Verkürzung der "Durchlaufzeiten" seiner reaktiven Muster und somit die Möglichkeit neue Formen des miteinander Seins, des sich zu-einander beziehens und um-gehens zu entwickeln und auszuprobieren.
Ingredenzien: Präsenz, Genauigkeit, Aufmerksamkeit und Offenheit für aufkommende Impulse sowie den Mut diesen zu folgen, Innehalten wenn kein klarer Impuls erkennbar ist, Flexibilität in der Veränderung innerer Haltungen und Intentionen.
Was wäre, wenn wir diese Parameter, diese Improstruktur in unsere alltäglichen Begegnungen und Beziehungen übernehmen würden? Oder als eine Struktur des Forschens für unsere Fragen die wir in diesen und ähnlichen Themen und Bereichen haben. Diese Art von Direktheit und Unmittelbarkeit in unserem aufeinander beziehen. Das gemeinsame erkunden neuer Möglichkeiten im Mit-einander resonieren. - ...........................................
Diese Fragen bewegen mich gerade aus dieser Zeit heraus und ich freue mich über Gedanken, Bilder, Ideen sowie weiterführenden Fragen von mit-bewegten Wesen.
(Andreas, 5.8.02)