Bitteres Fest
ES 26, R: Pedro Almodóvar, FSK: 12, 112 min
Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr
Zwei Zeitebenen und zwei Perspektiven verweben sich zu einem betörenden, vielschichtigen Spiel zwischen Realität und Fiktion: Die erfolgreiche Werbefilmerin Elsa stürzt sich nach dem Tod ihrer Mutter in ihre Arbeit, wird aber von der weggeschobenen Trauer eingeholt und ist wegen Panikattacken auf die Hilfe einer Psychiaterin und ihres jüngeren Freunds angewiesen. In einer anderen Zeit in der gleichen Stadt arbeitet der erfolgreiche Autor und Regisseur Raúl Rosetti, der gegen eine lange kreative Krise ankämpft, an einem neuen Drehbuch – und schreibt genau jene Geschichte, die Elsas Leben erzählt. Dabei sind er und seine Assistentin uneins, wie sehr die tatsächlichen Personen und Ereignisse verfremdet werden müssen.
Der spanische Meisterregisseur Pedro Almodóvar konzentriert sich in BITTERES FEST wieder auf seine Heimat und seine Wurzeln und erforscht die fragile Grenze zwischen Leben und Kunst, zwischen Erlebtem und Erdachtem. Der Film beleuchtet, wie Wahrheit und Fiktion untrennbar verbunden sind, manchmal auf schmerzhafte Art und Weise. Ein elegantes Melodram um Künstler in der Schaffenskrise, der in den parallel vorangetriebenen Geschichten eine kurzweilige, teils kluge Reflexion über die Kunst des Filmemachens bietet – bei aller Schwere der Themen mit bemerkenswerter Leichtigkeit und bisweilen abgründigem Humor inszeniert.
Eintritt: 8 € / erm. 6 €
Achtung: Aufgrund der Brückenbaustelle sind die Parkplätze direkt vor dem Haus begrenzt. Ausweichparkplätze stehen entlang der Bahnhofsstraße zur Verfügung.
Pressestimmen zum Film
„Bitteres Fest“: Pedro Almodóvar zurück in Madrid
cinemaforever.net / Julian Bonsu
Keine zwei Jahre nach seinem englischsprachigen Spielfilmdebüt, The Room Next Door, kehrt Pedro Almodóvar mit seinem neuen Film, Bitteres Fest (Amarga Navidad), in die Kinos zurück – dieses Mal wieder in seiner Muttersprache Spanisch.
Für Fans von Almodóvars skurriler, gefühlvoller und bunter Welt ist Bitteres Fest wortwörtlich ein Fest für die Sinne. Endlich kann man für circa zwei Stunden wieder in das sinnliche Madrid seiner Filmwelt eintauchen, in kraftvollem Rot baden und in Alberto Iglesias wunderbar opulenter Filmmusik schwelgen. In der Tat sind diese Eigenschaften, zusammen mit der Darstellung von tiefem Drama in Kombination mit komischem Humor schon seit Jahrzehnten zu Erkennungsmerkmalen eines Almodóvar-Films geworden. Schon deshalb lohnt es sich, den Film zu sehen.
Dennoch bemerkt man schnell, dass Bitteres Fest, wie auch schon Almodóvars letzte fünf oder sechs Werke, einen ziemlich überstilisierten Eindruck macht. Obwohl die Filmprotagonistin unter ständigen Migräneanfällen und Panikattacken leidet, erscheint Sie immer perfekt gestylt, selbstsicher und elegant – als ob Almodóvar sie für edle Prada-Werbespots in Szene setzen würde. Die Appartements und Ferienhäuser der Figuren gleichen einem Hochglanz-Interieur-Magazin. Im Gegensatz dazu wirkten seine früheren Meisterwerke – zwar genauso schön – weitaus kreativer und schonungsloser. Diese früheren Filme sind reich an Bildern, die sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt haben – wie etwa Cecilia Roths Ankunft in Barcelona in Alles über meine Mutter (1999), der Stierkampf in Sprich mit ihr (2002) oder die Priester beim Fußballspiel in La mala educación – Schlechte Erziehung (2004). Es lässt sich nicht bestreiten, dass diese Phase, erweitert um den Film Volver (2006), den absoluten Höhepunkt von Almodóvars Karriere darstellte.
Die Handlung, die sich à la Almodóvar auf mehreren Meta-Ebenen abspielt, ist zu Beginn durchaus fesselnd. Raúl (Leonardo Sbaraglia), ein gefeierter Autorenfilmer, schreibt in der Gegenwart an seinem neuen Drehbuch, beeinflusst von seinem eigenen Leben und den Leuten aus seinem direkten Umfeld. Die Protagonistin in seinem neuen Werk, Bitteres Fest, heißt Elsa (Bárbara Lennie) und ist ebenfalls Filmemacherin. Sie lebt im Jahr 2004 und leidet unter schwerer Migräne. Der Großteil des Films spielt in Elsas Welt, die zahlreiche Parallelen zu Raúls Leben aufweist – wie etwa den hingebungsvollen, viel jüngeren Partner, oder Freundinnen, denen ähnlich schwerwiegende Ereignisse widerfahren. Der Tod von Elsas Mutter und der Schicksalsschlag einer Freundin inspirieren Elsa, wieder zu schreiben. So entstehen Gemeinsamkeiten, die Fiktion und Wahrheit auf oft sehr bewegende Weise verbinden. Jedoch fehlt es manchmal an jener Tiefe, die viele frühere Filme Almodóvars auszeichnet. Phasenweise wirkt das Werk sogar etwas handlungsarm und episodenhaft – bei weitem nicht so packend wie seine alten Klassiker.
Manche Szenen enttäuschen jedoch nicht und ziehen einen in den gewohnten Bann. Die Cameo-Auftritte von einigen von Almodóvars Stammpersonal wie Rossy De Palma und Carmen Machi gehören zu den besonderen Highlights. Vor allem eine Szene mit Carmen Machi, die in dem Film Elsas behandelnde Ärztin spielt, und erklärt bekommt, dass ein Kultfilm nichts mit einer evangelikalen Sekte gemeinsam hat, ist fantastisch. Mit diesem Film kehren der Humor und die Leichtigkeit zurück, die nur sein spanisches Ensemble in der Originalsprache so zum Ausdruck bringen kann. Ein weiterer Höhepunkt ist die Einbindung einer gefühlvollen Ballade, die an Szenen mit Caetano Veloso und Penélope Cruz in früheren Filmen erinnert.
Für Pedro Almodóvar ist Bitteres Fest vielleicht einer seiner persönlichsten Filme. Es wird schnell deutlich, dass der Regisseur Raúl, der seinen Karrieregipfel bereits erreicht hat, Almodóvar selbst darstellen soll. „Deine besten Filme hast du schon gemacht“, sagt seine Assistentin, Mónica, während sie mit ihm über das neue Drehbuch, eine lukrative Huldigung auf einem Filmfest im mittleren Osten, über Netflix-Deals und Kurzfilme diskutiert. Wie einst Legenden wie Bergman oder Fellini gehört Raúl zu den unangefochtenen Größen, die stets umjubelt werden, obwohl ihre Opera magna schon einige Jahre zurückliegen. Auch Elsa ist eine Verkörperung Almodóvars in weiblicher Form. Zeitversetzt im Jahr 2004 haben schon einige ihrer Filme bereits Kultstatus erreicht und nun trauert sie um Ihre Mutter. In der Realität starb Almodóvars Mutter, Francisca Caballero, im Jahr 1999 – genau an der Schwelle seines Durchbruchs von Kultfilmer zu einem der bedeutendsten europäischen Regisseure der Filmgeschichte. Wie Raúl und Elsa verarbeitete auch Pedro Almovódar den Tod seiner Mutter bereits in dem im Jahr 2019 erschienenen Film Leid und Herrlichkeit.
Bitteres Fest erreicht zwar nicht die erhoffte Tiefe und ist eher arm an jenen unwiderstehlichen Intrigen und Wendepunkten, an denen man sich bei Almodóvars Filmen so gerne berauscht. Doch durch das wunderbare Ensemble und die greifbare Atmosphäre ist der Film dennoch ein Muss für alle Fans. Die Ehrlichkeit, mit der sich Almodóvar hier offenbart, ist rührend und macht das Werk zu einem würdigen Beitrag in seinem einzigartigen Gesamtschaffen.