Kino

CineMatinee: Antboy

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DK 13, R: Ask Hasselbalch, FSK: 6, 80 min

CineMatinee: Einmal im Monat am Sonntag gibt es bei uns Croissants, Kakao, Kaffee und einen Film für die ganze Familie (gegen Spende). Auch während des Films kann die Kneipe mit Spielecke genutzt werden.

Der Film: Der zwölfjährige Pelle (Oscar Dietz) ist eher schüchtern und introvertiert. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat er immer wieder Ärger mit den „Terror-Zwillingen“, zwei rowdyhaften Altersgenossen aus seiner Schule. Außerdem ist er unsterblich in seine Klassenkameradin Amanda verliebt – aber die nimmt ihn überhaupt nicht wahr. Wenn er für die fiesen Zwillinge bloß genauso unsichtbar wäre.. Als Pelle eines Tages wieder einmal auf der Flucht vor ihnen ist, wird er plötzlich von einer Ameise gebissen. Plötzlich ist Pelle bärenstark, kann Wände hochklettern, pinkelt Säure und muss unentwegt Süßes essen. Sein Klassenkamerad, der Comic-Fan Wilhelm, hat schnell durchschaut, was passiert ist: Ähnlich den Comic-Superhelden, die er immer liest, hat Pelle die Kräfte eines anderen Wesens übernommen, in diesem Fall die einer Ameise. Wie seine großen Heldenvorbilder will er von nun an als „Antboy“ die Welt beschützen, und zuallererst seine heimliche Liebe Amanda. Doch mit dem Superbösewicht „Der Floh“, der Amanda gekidnappt hat, bekommt er einen gefährlichen Gegenspieler …

Der Superheldenfilm ANTBOY ist spannende und witzige Unterhaltung für kleine und große Comic-Fans – und alle, die eine gute Abenteuergeschichte zu schätzen wissen.

Pressestimmen zum Film

Antboy (Michael Meyns, Programmkino.de)

Ein Superhelden-Kinderfilm ist die dänische Produktion „Antboy“ von Ask Hasselbalch. Ganz den Mustern der erwachsenen Vorbilder folgend wird die Geschichte um den 12jährigen Pelle entwickelt, der eines Tages zum Superhelden à la Spider Man mutiert. Erzählt aus der kindlichen Perspektive entsteht so ein rundum gelungener Kinderfilm, der auf höchst originelle Weise zwei Genres miteinander vermischt, die erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen.

Pelle (Andreas Oholm) ist 12, lebt mit seinen Eltern in einer dänischen Kleinstadt und ist ein typischer Außenseiter, wie er an jeder Schule vorkommt. So unscheinbar ist er, dass ihn selbst die Klassenfieslinge links liegen lassen und lieber den Nerd Wilhelm (Samuel Ting Graf) triezen. Doch Pelle hat Mut, hilft Wilhelm und muss schnell flüchten. In einem verwunschenen Garten versteckt er sich – und wird von einer Ameise gebissen.
Am nächsten Morgen wacht er benommen auf und fühlt sich irgendwie anders. Gläser zerplatzen plötzlich in seiner Hand, Gegenstände bleiben an ihm kleben und den Sportlehrer schmeißt er problemlos auf die Matte. Das ist nicht etwa die Pubertät, sondern etwas viel Merkwürdigeres: Der Comic-Experte Wilhelm klärt Pelle auf und ist begeistert davon, nun einen Superhelden zum Freund zu haben.

Nach einigen verunglückten Kostümentwürfen ist Pelle bereit: Als Antboy wird er fortan die Stadt beschützen. Und hoffentlich das Herz der schönen Amanda (Cecilie Alstrup Tarp) gewinnen, dem beliebtesten Mädchen der Klasse, die Pelle immer übersehen hat, aber von Antboy begeistert ist. Zufälligerweise ist ihr Vater ein Industrieller, der einst einen Angestellten verärgert hat: Dr. Gaemelkra, der im Genlabor aufregende Forschungen betrieb und sich nun selbst mit einem Wirkstoff injiziert: Als Floh macht er die Gegend unsicher und entwickelt sich zum großen Rivalen von Antboy.

Ganz dem Muster klasssicher Comics und ihrer Filmversion folgend entwickelt sich „Antboy“: Der unscheinbare Held, der durch unvorhergesehene Umstände Superkräfte erhält und fortan eine Doppelexistenz lebt. Der Clou ist nun, dass diese Geschichte aus der Sicht eines 12jährigen Kindes erzählt wird, das ohnehin ein Außenseiter in der Schule ist. Geschickt vermischen Regisseur Ask Hasselbalch und seine Drehbuchautoren dabei Elemente beider Genres: Das hübsche Mädchen, dass dem Helden keine Beachtung schenkt, Freunde, die beide Seiten der Identität kennen, dazu ein gleichermaßen lustiger wie origineller Gegner.

Besonders schön aber ist, dass „Antboy“ zwar eine Superheldengeschichte erzählt, aber fast immer wie ein Kinderfilm wirkt. Keine aufwändigen Spezialeffekte setzt Hasselbach ein, kein Bombast, allein einige Zeichentrickmomente und Splitscreens, die das visuelle Element eines Comics andeuten, benutzt er. Stattdessen konzentriert er sich auf seine jungen Darsteller, die allesamt erstaunliches Talent beweisen, allen voran Hauptdarsteller Andreas Oholm, der selbst gegen einen so etablierten Schauspieler wie Nicolas Bro bestehen kann.
All das macht Ask Hasselbalchs „Antboy“ zu einem rundum gelungenen Kinderfilm, der auf höchst originelle Weise zwei Genres miteinander vermischt, die erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen.


Antboy (Stefan Stiletto, Filmdienst)

Klein und unbedeutend wie eine Ameise in einem riesigen Ameisenhaufen: so fühlt sich der zwölfjährige Pelle. Nicht einmal die Lehrer können sich seinen Namen merken. Selbst der Nerd in Pelles Klasse erhält mehr Aufmerksamkeit, weil er immerhin auffällt. Pelle hingegen ist derart normal und unscheinbar, dass auch die Kamera ihn zunächst nur angeschnitten am Bildrand zeigt. Damit teilt Pelle das Schicksal von Peter Parker, jenem schüchternen Teenager aus den Marvel-Comics, der von allen belächelt wird – bis der Biss einer Spinne ihm Superkräfte verleiht und den Grundstein legt für seine Verwandlung in den Superhelden Spider-Man.

Auch in dem dänischen Kinderfilm von Ask Hasselbalch verändert sich Pelles Leben schlagartig, als er auf der Flucht vor fiesen Mitschülern in einem verwilderten Garten von einer mutierten Ameise gebissen wird. Seitdem verspürt der Junge großen Hunger auf Zucker; an seinen Händen bleiben Gegenstände kleben, und mit Leichtigkeit reißt er Löcher in Türen, die er eigentlich nur öffnen wollte. Während Pelle sich noch über seine neuen Fähigkeiten wundert, ist die Sache für seinen Klassenkameraden Wilhelm klar: der hat genug Comic-Hefte gelesen, um sofort zu wissen, dass Pelle Superkräfte besitzt. Geschult durch das Wissen aus amerikanischen Superhelden-Comics, versuchen Pelle und Wilhelm, mehr über Pelles Kräfte zu erfahren und ihn standesgemäß zu kleiden. Denn wer Superkräfte hat, muss auch eine coole Maske tragen. Als Antboy wird Pelle in kürzester Zeit durch zahlreiche kleine Heldentaten zum Medienstar, dem sogar ein eigenes Schulmusical gewidmet wird.

Hasselbalchs Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs von Kenneth Bøgh Andersen beginnt wie eine liebenswerte Parodie, die selbstreflexiv mit den Mustern der Superheldengeschichten spielt und ihren Charme vor allem daraus bezieht, dass sie die Macho-Rituale und Fetische der erwachsenen Comic-Helden auf Kinder überträgt und damit entlarvt. Wie Batman hüllt sich auch der kleine Antboy – der reifere Name „Antman“ ist durch eine Marvel-Reihe besetzt – in ein enges Ganzkörperkostüm aus schwarzem Leder und haucht Gaunern mit betont tiefer Stimme seinen Namen entgegen. Wie für Spider-Man ist das Kostüm auch für Antboy nur eine Tarnung, um über den eigenen Schatten zu springen, zeitweise in eine andere Rolle zu schlüpfen und zum Mädchenidol zu werden. Alle Formeln und Klischees, die sich in den letzten Jahre im Genre des Superheldenfilms entwickelt haben, finden sich auch in „Antboy“: Es gibt die üblichen Anzuggimmicks, fehlgeschlagene wissenschaftliche Experimente, Szenen, in denen die Superkräfte mehr oder weniger erfolgreich erprobt werden, eine milde Identitätskrise, die Enttarnung der Doppelrolle und schließlich eine Wiederauferstehung, durch die der Held schließlich zu sich selbst findet.

Doch der Film belässt es nicht bei einer parodistischen Ebene. Spätestens als ein erwachsener Superschurke namens Floh auftaucht, der Pelles Mitschülerin und heimliche Angebetete Amanda entführt, ändert sich der Tonfall. Ab dann wird der Film deutlich düsterer und macht deutlich, dass die Inszenierung durchaus auf einen ernst zu nehmenden Superheldenfilm für Kinder zielt. Während die Gegenspieler in zahlreichen Kinderfilmen als lächerliche, harmlose Witzfiguren angelegt sind, verhält es sich hier anders. In der Tradition der Superschurken ist der Floh eine tragische Figur, die weder per se als böse abgetan werden kann noch sehr furchteinflößend wirkt. Denn wo Antboy durch Süßigkeiten wieder zu Kräften kommt, benötigt der Floh Blut dafür, das er über Schläuche aus Konserven auf seinem Rücken bezieht. Auch wenn die Motivation des Gegenspielers nicht immer überzeugt und seine Funktion oft auf die Rolle des gefährlichen Herausforderers reduziert ist, braucht sich „Antboy“ nicht hinter seinen filmischen Vorbildern zu verstecken. Er führt vor, wie ein ebenso komischer wie spannender Genrefilm für (ältere) Kinder aussehen kann, der augenzwinkernd auf deren Medienerfahrungen aufbaut und überdies auch mit typischen Kinderfilmbotschaften punkten kann, ohne aufdringlich zu sein. Schließlich geht es darum, einen Platz im Leben zu finden und sich bewusst zu werden, wer man ist oder sein möchte. In dieser Hinsicht hat Antboy am Ende seinen dauerkriselnden Kollegen wie Batman oder Hulk einiges voraus.