Kino / Nachlese

CineMatinee: Flow

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LETT/F/B 24, R: Gints Zilbalodis, FSK: 6, 89 min
Prädikat besonders wertvoll

CineMatinee: Einmal im Monat am Sonntag gibt es bei uns Croissants, Kakao, Kaffee und einen Film für die ganze Familie. Wer mit den kleineren Geschwistern nicht in den Film gehen möchte, findet in unserer Kinokneipe eine Spielecke, Speisen und Getränke.

Der Film: Kaum hat sich die kleine schwarze Katze den Schlaf aus den Augen gerieben, muss sie erschrocken feststellen, dass eine gewaltige Flut die alte Welt unter sich begräbt. Gerade noch so rettet sie sich auf ein Segelboot, wo nach und nach auch andere Tiere Zuflucht finden … Sie sehen sich enormen Herausforderungen gegenüber, die nur durch Kompromisse und Teamwork gemeistert werden können.

Die Geschichte weckt viele Assoziationen, von der Klimakrise über Flüchtlingsboote bis zur biblischen Geschichte der Arche Noah. Der atemberaubende Film verzichtet auf Sprache, umgeht eine Vermenschlichung der Tiere und handelt parabelhaft vom Miteinander und einer gelingenden Gemeinschaft. Seine eindrückliche Botschaft wird in betörenden Bildern voller geheimnisvoller Landschaften transportiert.

In starken Bildern und einem wundervollen Animationsstil erzählt dieser zauberhafte Film von der unbändigen Kraft der Natur, von Überlebenswillen, Gemeinschaft und Teamgeist: ohne Worte, ohne Menschen, ohne Zeige­finger – rasant und zugleich nachdenklich. Ein preisgekröntes Filmerlebnis für Groß und Klein!

» Die Zukunft des Animations­films! « GUILLERMO DEL TORO

» Verträumt, episch und sehr schön! « WASHINGTON POST

Pressestimmen zum Film

Deutsche Film- und Medienbewertung

„Ein wahrer Schatz von einem Film!“

Ganz ohne menschliche Dialoge erzählt dieser außergewöhnliche Animationsfilm eine mitreißende Geschichte von Freundschaft und der Kraft des respektvollen Miteinanders.

Mit FLOW erzählt Regisseur Gints Zilbalodis eine Fabel über Freundschaft und das Überleben einer Gemeinschaft, die lernen muss, Rücksicht zu nehmen und den jeweils anderen mit all seinen Eigenarten zu respektieren. Zilbalodis verortet FLOW in einer Fantasiewelt, in der der Mensch keine Rolle (mehr) spielt und in der die Tiere auf das zurückgeworfen werden, was ihnen eigen ist: der Instinkt.
Als ungewöhnliche Heldin fungiert eine Katze, die so bezaubernd unschuldig ist, dass sie jedes Zuschauerherz zum Schmelzen bringen wird. Auch die anderen tierischen Figuren sind liebevoll detailliert dargestellt. Ob der treu ergebene Golden Retriever, der majestätische Sekretärsvogel oder das eher pragmatisch agierende Wasserschwein – sie alle stehen für ganz ‚menschliche‘ Eigenschaften, werden aber nie vermenschlicht und agieren als Tiere. Die Landschaften erscheinen fast fotorealistisch, doch immer wieder erlaubt sich der Film kleine magische Momente, wenn die Farben fast zu explodieren scheinen, die Perspektive der Tiere eingenommen wird und man zwischen Traum und realer Welt nicht mehr zu unterscheiden wagt.
Unterstützt wird diese Stimmung auch von dem atmosphärischen Score von Rihards Zaļupe. Der Film hält seine erzählerische Spannung bis zum Schluss, ist komplex und doch universell zugänglich.
FLOW ist ein außergewöhnlich originelles Meisterwerk der Animation (ausgezeichnet mit dem Europäischen Filmpreis und dem Golden Globe) und ein Film, der sein Publikum quer über alle Altersstufen hinweg begeistern kann.


Flow (Katharina Zeckau, Filmdienst)

Der lettische Animationsfilmer Gints Zilbalodis hat einen Nerv getroffen: Sein zweiter abendfüllender Film „Flow“ wird schon jetzt gefeiert und geliebt wie wenige andere aktuelle Filme. Dafür, dass er eine Katze als Hauptfigur hat. Und Menschen ausschließlich in den von ihnen hinterlassenen Spuren zeigt, während er eine Tier- und Natur-Geschichte ohne jedes menschliche Wort erzählt. Aber auch für seine philosophisch-poetische Dimension, die auf Zusammenarbeit, Rücksichtnahme und soziales Miteinander abzielt.

Mit viel Talent, einer großen Fantasie, aber einem recht überschaubaren Budget hat Zilbalodis in Weiterentwicklung seines Kurzfilms „Aqua“ eine eher handlungsarme, dafür aber anspielungsreiche Story entworfen. Die dreht sich um eine kleine schwarze Katze, die zusammen mit anderen Tieren auf einem Segelboot vor einer gewaltigen Flut flieht. Die nicht näher erläuterte Naturkatastrophe, welche die Tiere des Waldes und auch die Katze, die im verlassenen Haus eines Bildhauers wohnte, überrascht und auf dem rettenden Boot zusammenführt, weckt aktuelle Assoziationen: an die Klimakrise, aber auch die Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer.

Eine Arche ohne Menschen
Zudem schwingen Gedanken an die Odyssee und die biblische Geschichte von der Arche Noah mit, wenn sich eine Handvoll Tiere – neben der Katze und einem Hund handelt es sich dabei um ein Wasserschwein, ein Äffchen und einen Sekretärvogel – gemeinsam vor den Wassermassen retten. Dies gelingt durch das Aushandeln von Konflikten, durch Anpassung, Kompromisse und Solidarität, kurz: durch Teamwork. Erzählt wird all das nur über die Körpersprache und Geräusche, Miauen, Bellen und Grunzen; ganz ohne eine dezente Vermenschlichung der Protagonisten kommt auch „Flow“ nicht aus. Es geht, wenn man so will, um die Grundlage jeglicher Zivilisation in einer verwüsteten Welt. Diese Aufgabe müssen die Tiere übernehmen, da sich die Menschheit offensichtlich selbst ausgelöscht hat. Insofern lässt sich „Flow“ als eine Parabel aufs Miteinander und die Gemeinschaft lesen.

Das ist eine gewichtige Botschaft, die aber so einfallsreich wie eindrücklich erzählt wird; dafür gab es den Europäischen Filmpreis und den „Golden Globe“. Auch bei den bildnerischen Einfällen und dem szenischen Gespür für mystische Welten ist der unabhängig produzierte Film überragend. Die Bildsprache resultiert vor allem aus dem Gegen-, Neben- und Ineinander von menschengemachten Skulpturen, Städten und Palästen, (kunst-)handwerklichen Gegenständen und einer idyllisch-rauen Natur. So hat sich etwas ein Holzboot in einer Baumkrone verfangen; riesige Steinfiguren ragen aus den Fluten, düstere, aus dem Felsen gehauene Kegelberge dräuen am Horizont. Potenziert wird die Wirkung der Bilder durch die Abwesenheit jener Wesen, die diese Kunst und Kultur einst hervorgebracht haben. Die Natur hat sich das Werk der Menschen zurückgeholt. Sie überwächst und überwuchert alles und schleift es mit Hilfe von Wind und Wasser.

Der Kreislauf des Lebens
Es sind betörende, atemraubende Aufnahmen geheimnisvoller Landschaften, die die bescheidenen Produktionsbedingungen fast vergessen machen. Weniger gut gelingt dies bei der Animation der Tiere, vor allem bei den Nahaufnahmen. Das Spiel von Schatten und Licht auf Fell und Federkleid fällt mitunter recht hart aus, die Textur der Tiere ist grob gerendert, der Ausdruck der Augen wenig detailliert. Der mit der frei zugänglichen Grafiksoftware Blender erstellte „Flow“ erinnert in seiner Ästhetik mitunter an ältere Computerspiele, etwa an „Ico“, „Shadow of the Colossus“ oder „The last Guardian“, die zwischen 2001 und 2016 erschienen sind und allesamt von Fumito Ueda entworfen wurden. Weitere Parallelen, auch inhaltlicher Art, finden sich auch zum Playstation-Spiel „Stray“.

Ungewöhnlich und zukunftsweisend, gerade für den Bereich der Animation, ist „Flow“ aber vor allem in inhaltlicher und dramaturgischer Hinsicht: in seinem Verzicht auf anthropomorphe Tierfiguren wie auch die menschliche Sprache, mit seinen vielfältigen Interpretationsebenen, der fantasievollen Bildsprache sowie der radikalen humanistischen Botschaft und der gemächlichen Dramaturgie eines Kreislaufs des Lebens, auf die schon der Filmtitel verweist.