Kino

Der Frosch und das Wasser

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D 25, R: Thomas Stuber, FSK: 6, 113 min

Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr

Für Abenteuer ist in Stefan Buschs Alltag in einer betreuten Wohngemeinschaft kein Platz. Doch während eines Gruppenausflugs nimmt sein Leben eine schicksalhafte Wendung: Ohne zu zögern schließt sich der junge Mann, den alle nur Buschi nennen, einer japanischen Reisegruppe an. Auf diesem ungewöhnlichen Roadtrip – durch (Mittel-)Deutschland, die Schweiz und Japan – beginnt die behutsame Freundschaft zwischen Buschi und Hideo Kitamura. Buschi, der sich sein ganzes Leben lang geweigert hat, über Sprache mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, blüht in dieser fremden Umgebung auf.

Das Road Movie erkundet das gemeinsame Fremdsein fernab vertrauter Gesten und führt vor, wie menschliche Übereinkunft über kleine geteilte Momente entstehen kann: eine feinfühlige und stets geerdete inklusive Kinofantasie.

Als Stefan Busch, genannt Buschi, steht der Bremer Schauspieler Aladdin Detlefsen (BLAUMEIER ATELIER) zum ersten Mal in einer Kino-Hauptrolle vor der Kamera. Kanji Tsuda (ONODA – 10.000 NÄCHTE IM DSCHUNGEL) spielt seinen Reisebegleiter Herrn Kitamura.

Der Film läuft auch am Mi 21.10. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.

Eintritt: 8 € / erm. 6 €
Achtung: Aufgrund der Brückenbaustelle sind die Parkplätze direkt vor dem Haus begrenzt. Ausweichparkplätze stehen entlang der Bahnhofsstraße zur Verfügung.

Pressestimmen zum Film

„Der Frosch und das Wasser“: Zärtlich, komisch, absolut sehenswert

Von Jürgen Wittner, kulturnews.de

Thomas Stuber bringt mit „Der Frosch und das Wasser“ einen ebenso zarten wie absolut komischen Film ins Kino: Ein Roadmovie über die Freundschaft zweier auf unterschiedliche Weise einsame Menschen. In den Hauptrollen: Aladdin Detlefsen und Kanji Tsuda.

Stefan Busch hat das Down-Syndrom und lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft, wo er nur Buschi genannt wird. Buschi kann ewig aufs Wasser starren, ohne etwas anderes zu tun – sehr zum Leidwesen der Betreuerinnen und Betreuer, wenn sie mit der Wohngemeinschaft Unternehmungen planen und er immer wieder das Wasser im Waschbecken auffüllt, um es ablaufen zu lassen. Bei einem dieser Ausflüge in Köln macht Buschi etwas, das er zuvor noch nie machte: Er sondert sich von der Gruppe ab und schließt sich einer japanischen Reisegruppe an.

Doch kaum ist die Gruppe in Köln unterwegs, setzt sich der bummelnde Buschi ab, steigt einfach in den Bus einer japanischen Reisegruppe und setzt sich neben Hideo Kitamura, der alleine reist und ein Trauma verarbeiten muss. Für diese Rolle konnte man den japanischen Schauspieler Kanji Tsuda gewinnen, der zum erweiterten Ensemble des Komikers, Regisseurs und Schauspielers Takeshi Kintano gehört und in Filmen wie „Tokyo Sonata“, „Hana-bi – Feuerblume“ mitspielte. Zuletzt war Tsuda in dem Kriegsepos „Onoda – 1000 Nächte im Dschungel“ in der Hauptrolle zu sehen.

Während Buschi zunehmend die Grenzen zwischen sich und Hideo niederreißt und diesen auf der Busreise von Köln über Weimar nach Dresden als Freund gewinnen kann, wird der Reisebus von der Betreuerin Nicole verfolgt. „Der Frosch und das Wasser“ verschweigt nicht die Probleme, die sich aus der Konstellation ergeben, allerdings geht der Film damit um wie ein modernes Märchen: Sie kommen am Rande vor, im Zentrum steht, wie Buschi Hideo als Mischung als Betreuer und Freund auserwählt und dieser mit seiner stoischen Ruhe zuerst reserviert und dann zunehmend offen reagiert. Als dann alle objektiven Umstände gegen eine weitere gemeinsame Reise sprechen, eskaliert die Situation, und alle Beteiligten müssen sich neu orientieren.

Regisseur Thomas Stuber ist mit „Der Frosch und das Wasser“ ein wunderbarer Film gelungen, der einerseits ganz klar eine Komödie ist, ein Roadmovie sowieso, und dann aber auch die Verfilmung einer wunderbar zärtlichen Freundschaft. Dass beide Protagonisten dabei noch eine Coolness ohnegleichen ausstrahlen, grundiert von einem ironischen Grundgestus, ist das Sahnehäubchen des Films, der in seiner Emotionalität niemals ins Peinliche abgleitet. Getragen wird diese Haltung von Hauptdarsteller Aladdin Detlefsen, der Buschi spielt und in Bremen Theaterschauspieler ist. „Der Frosch und das Wasser“ ist sein erster Spielfilm.


„Der Frosch und das Wasser“

Von Britta Schmeis / epd-film.de

Märchenhaft und voller Poesie erzählt Thomas Stuber in seinem Roadmovie, das bis nach Japan führt, von einer ungewöhnlichen Verbindung, die ganz ohne Sprache auskommt.

Eine Hauptfigur, die kein Wort spricht, eine zweite, die wortkarg ist, dazu eine Geschichte, die nur bei einem sehr genauen Blick eine innere Logik ergibt und erst am Ende eine Spur von Auflösung bietet – und das über knapp zwei Stunden. Das ist schon eine Herausforderung. In Thomas Stubers »Der Frosch und das Wasser« wird diese zu einer sinnlichen Reise, die einen umspült, aufsaugt und beglückt zurücklässt – voller Zuversicht und Frieden.

Der junge Mann Stefan Busch (Aladdin Detlefsen), den alle nur Buschi nennen, lebt in einer betreuten Wohneinrichtung, liebevoll und fürsorglich vor allem von Nicole (Bettina Stucky) umsorgt. Buschi spricht nicht, und viele Abenteuer hält sein Leben auch nicht bereit – zumal er nicht einmal die beliebten Ausflüge ins Schwimmbad mitmachen darf. Er kann nicht schwimmen. Bei einem Ausflug in die Kölner Innenstadt verlässt er ohne ersichtlichen Grund die Gruppe und schließt sich einer japanischen Reisegruppe an, steigt wie selbstverständlich mit in den Bus und quetscht sich in den Sitz neben dem wortkargen, zurückhaltenden Hideo Kitamura (Kanji Tsuda). Einige der Touristen sind begeistert von dem Mann mit dem freundlichen Gesicht, andere sehen ihn als Schmarotzer, den verschlossenen Kitamura wählt Buschi zu seinem Reisebegleiter, der seine Rolle ebenso selbstverständlich annimmt. Betreuerin Nicole ist derweil in heller Aufregung und reist dem Bus über Weimar, Dresden, Ulm und schließlich in die Schweiz nach.

»Der Frosch und das Wasser« ist eine seltsame Geschichte. Warum genau Kitamura nach Europa reist, bleibt vage. Zwei Pässe hat er im Gepäck, seine alte Mutter hat ihm gesagt, dass er diese Reise unbedingt machen müsse, wohl um mit dem Verlust des jüngeren Bruders abschließen zu können, was sich irgendwann erahnen lässt. Warum es Nicole nicht gelingt, Buschi nach Köln zurückzuholen, und warum sie ihn immer wieder verpasst, entzieht sich jeder Logik. Auch warum Buschi offensichtlich sofort eine Verbindung zu Kitamura empfindet, ist objektiv wohl nicht zu erklären. Vielleicht ist es gerade das: Da sind zwei Menschen, die irgendwie verloren und in sich gefangen sind, die zueinanderfinden.

Thomas Stuber, der zusammen mit Gotthart Kuppel und Hyoe Yamamoto nach einer Idee von Kuppel auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt alle Menschen so sein, wie sie sind: die mütterliche Nicole, den zurückhaltenden Kitamura, den stummen und sehr selbstbestimmten Buschi, selbst die freundliche Busfahrerin Frau Toprak (Meltem Kaptan) und den schnell genervten, etwas schmierigen Reiseleiter Herrn Auskamp (Cornelius Schwalm). Die geistige Beeinträchtigung Buschis wird weder beschönigt oder verniedlicht noch dramatisiert. Stuber beschreibt sie einfach, ohne zu bewerten, und das in sinnlich-meditativen Bildern. »Der Frosch und das Wasser« ist ein wunderschöner Film, der etwas Zeit braucht und dann mit voller emotionaler Wucht zuschlägt.