Dokfilm: Ein Tag ohne Frauen
ISL/USA 24, R: Pamela Hogan, FSK: o.A., 70 min
Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr
Was, wenn sich jede Frau einfach einen Tag frei nehmen würde…?
Als 90 Prozent der isländischen Frauen an einem Herbstmorgen im Jahr 1975 ihre Arbeit niederlegten und ihre Häuser verließen, weil sie sich weigerten zu arbeiten, zu kochen oder sich um die Kinder zu kümmern, brachten sie ihr Land zum Stillstand und katapultierten Island zum „besten Ort der Welt, um eine Frau zu sein“.
„EIN TAG OHNE FRAUEN ist ein echter Gute-Laune-Dokumentarfilm – voller Hoffnung, Humor und Optimismus. Ein Film, der Zeichen setzt. Wie ein Sonnenstrahl an einem trüben Tag.“ (kino.de)
Zum ersten Mal von den Frauen selbst erzählt und mit spielerischen Animationen versehen, ist EIN TAG OHNE FRAUEN subversiv und unerwartet lustig. „Wir liebten unsere chauvinistischen Schweine“, erinnert sich eine der Aktivistinnen, “wir wollten sie nur ein wenig verändern!“ Der Film erscheint pünktlich zum 50. Jahrestag des Streiks im Jahr 2025 und regt mit seiner Botschaft über die kollektive Kraft der Frauen, ihre Gesellschaft zu verändern, dazu an, das Mögliche neu zu denken.
„Der Film ‚Ein Tag ohne Frauen‘ setzt den mutigen und humorvollen Frauen, die durch ihr Handeln diese Entwicklung in Gang gesetzt haben, ein eindrucksvolles Denkmal.“ (NDR Kultur)
Pressestimmen zum Film
Ein Tag ohne Frauen
(Michael Meyns, Programmkino.de)
Die Nordeuropäischen Länder gelten als Nationen, die in Sachen Gleichberechtigung besonders weit voran gehen, doch das war nicht immer so. In Island etwa bedurfte es eines besonderen Tages, an dem die Frauen des Landes streikten, um die Entwicklung voranzutreiben. Der Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ blickt auf dieses bemerkenswerte Ereignis zurück.
Am 24. Oktober findet alljährlich der Tag der Vereinten Nationen statt, denn an diesem Tag wurde 1945 die Weltgemeinschaft gegründet, die sich seitdem mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg für Frieden und Gerechtigkeit unter den Völkern der Erde einsetzt. Diesen historischen Tag nahmen 30 Jahre später etliche Frauen (und einige Männer) auf Island zum Anlass, selbst Geschichte zu schreiben: Am 24 Oktober 1975 riefen sie zu einem landesweiten Frauenstreik auf, der das einfache Ziel hatte zu zeigen, wie sehr das Land von der weiblichen Hälfte der Bevölkerung abhängig ist.
Heute wäre so ein Frauenstreiktag auf Island wohl nicht mehr so ein dramatischer Moment, heute wären auch viele Männer dazu in der Lage, Windeln zu wechseln oder Essen zuzubereiten, doch vor 50 Jahren sah das selbst auf Island noch ganz anders aus. Ganz der Zeit entsprechend, lief das Leben auf Island zwar vielleicht etwas progressiver ab als in Westeuropa, von patriarchalischen Strukturen war jedoch auch die kleine Insel im Nordatlantik geprägt: Frauen waren für Kinder und Haushalt zuständig, am besten sollten sie ihrem Mann nur hübsch zurechtgemacht und geschminkt begegnen und ihm brav Kaffee zubereiten. Andererseits arbeiteten auch damals schon viele Isländerinnen, bekamen allerdings für die selbe Arbeit deutlich weniger Gehalt. Und Führungsaufgaben waren ohnehin Männersache, während die Frauen, etwa in Banken, für den profanen Papierkram zuständig waren.
So wie in den meisten Ländern der westlichen Welt begann es jedoch auch in Island Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre zu rumoren, die Gleichberechtigung der Geschlechter sollte nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch umgesetzt werden. Und so kamen feministische Gruppen auf der Insel auf die Idee, den Männern des Landes einmal zu zeigen, wie wenig ohne die Arbeit und Mithilfe von Frauen funktioniert.
Am 24. Oktober 1975 legten ein Großteil der Frauen Islands die Arbeit nieder und fanden sich stattdessen zu Demonstrationen auf den Straßen der Hauptstadt Reykjavik und anderer Ortschaften ein – mit bemerkenswertem Erfolg. Island zählt inzwischen zu den Ländern, in denen die Gleichberechtigung am weitesten in den Strukturen der Gesellschaft und den Köpfen der Menschen verhaftet ist. Schon 1980 wurde mit Vigdís Finnbogadóttir die erste Frau zur Präsidentin gewählt, aktuell sind 48% Prozent der Abgeordneten des Parlaments Frauen.
Wie es dazu kam zeichnen Pamela Hogan und Hrafnhildur Gunnarsdóttir in ihrem Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ auf mitreißende, humorvolle Weise nach. Archivmaterial liefert spannende Einblicke, dazu wurden zahlreiche der damaligen Protagonistinnen interviewt, oft auch die Kinder der damaligen Aktivistinnen, die sich mit leuchtenden Augen an den Protest erinnern. Der in den letzten Jahren vergleichbare Aktionen in der Schweiz, Spanien oder Argentinien inspirierte, was bedauerlicherweise nicht zuletzt zeigt, dass trotz aller Fortschritte noch in vielen Ländern Schritte in Sachen Gleichberechtigung notwendig sind.
Ein Tag ohne Frauen
(Gaby Sikorski, kino.de)
Doku über einen Frauenstreik, der 1975 einen Tag lang Island lahmlegte und an dem sich 90 Prozent aller isländischen Frauen beteiligten.
Island gilt laut Global Gender Gap Report als einer der besten Orte für Frauen. Das war nicht immer so. Bis in die 1970er-Jahre galt die Insel als ein mit Blick auf Frauenrechte rückschrittlicher Staat. Frauen konnten weder Richterin noch Schiffskapitänin werden, und in der Landwirtschaftsvereinigung wurde eine Frau nur zugelassen, wenn sie Witwe geworden war. Vorrangig erstrebenswert war ein Hausfrauenleben. Bildung für Frauen erschien unnötig. Wozu auch? Es gab ja kaum Chancen. Frauen bekamen schlecht bezahlte Aushilfsjobs oder arbeiteten in Care-Berufen; Karriere machten die Männer.
Doch dann begehrten die Frauen auf. Weltweit, auch in Island. Sie schlossen sich zusammen und starteten Aktionen gegen Ungleichbehandlung und Sexismus. 1975 sollte das „Jahr der Frau“ werden. Dafür wurde in Island ein Frauenstreik vorbereitet, ein „freier Tag“ für alle Frauen, ein Urlaubstag ohne Kinderbetreuung, Kochen, Backen und Hausarbeit, aber auch ohne Mitarbeit im Büro, in der Schule oder in der Fischfabrik. Mehr als 90 Prozent der isländischen Frauen beteiligten sich daran.
Der Film strahlt von innen heraus
50 Jahre nach diesem grandiosen Erfolg lässt die US-amerikanische Filmemacherin Pamela Hogan diesen Frauenstreik Revue passieren. Dafür konnte sie zahlreiche Protagonistinnen von damals gewinnen, die sich mit viel Humor und großer Leidenschaft an die Aktion erinnern. Die Produzentin des Films, Hrafnhildur Gunnarsdóttir, war mit ihrer Mutter seinerseits selbst mit dabei. Heute sind die Frauen zwar 50 Jahre älter, aber immer noch temperamentvoller als manche Jüngeren, und sie verfügen über ein so positives Flair, dass der Film von innen zu strahlen scheint.
So charismatisch wie sie sich heute präsentieren, scheint es auch 1975 gelaufen zu sein. „Wir haben viel gelacht“, sagt eine von ihnen. Gemeinsam schlugen sie der konservativ geprägten Männerwelt ein ums andere Mal ein Schnippchen – indem sie zur Misswahl eine Kuh als Mitbewerberin in die Halle brachten oder demonstrativ eine Frauenpuppe am Weihnachtsbaum kreuzigten, zum Zeichen dafür, wie sich die Frauen an Weihnachten für ihre Familien aufopfern mussten. Ihre „Rote Socken“-Vereinigung betrieb eine Zeitlang sogar einen eigenen Radiosender.
Doch die Frauen blieben stets realistisch, es gab weder direkte Konfrontationen mit Männern noch Ablehnung oder gar Hass. „Wir haben unsere männlichen Chauvinisten-Schweine geliebt“, sagt eine. „Wir wollten sie nur ein bisschen ändern.“ Statt sich als Frauen an die herrschenden Strukturen anzupassen, sollten diese verändert werden. Das gelang ihnen mit Witz, Charme und Geduld. Der Frauenstreik war die Krönung des langjährigen Kampfes gegen ein traditionelles Frauenbild. Zum Auslöser wurde das „Internationale Jahr der Frau“, das die UNO 1975 ausgerufen hatte. Wie konnten sie dem Land klarmachen, dass alles zusammenbrechen würde ohne Frauen und ihre aufopfernde Tätigkeit?
Das Wichtigste im Leben
Den Frauenstreik hat keine der Beteiligten vergessen. „Das war einer der bewegendsten Momente meines Lebens“, sagt eine, und eine andere ergänzt: „Vielleicht war er das Wichtigste, was in meinem Leben passiert ist.“ Der 24. Oktober 1975 wurde zum Tag, an dem Island stillstand. Sogar die einzigen drei Frauen auf einem Schiff vor der Küste beteiligten sich daran. Sie schlossen sich in ihre Kabinen ein und ließen sich auch durch Schreie und Drohungen des Kapitäns nicht beirren. Scharenweise verließen die Frauen an diesem Tag ihre Häuser, kehrten ihren Männern und Kindern den Rücken und machten sich auf den Weg nach Reykjavik. Im Rückblick erinnern sich ihre damaligen Kinder, dass ihre Väter zum ersten Mal für sie gekocht hätten.
Das alles wird in „Ein Tag ohne Frauen“ so unterhaltsam, lebendig und kurzweilig geschildert, dass man darüber leicht den subversiven Charakter des Films übersehen könnte. Um dies zu verhindern, haben die Filmemacherinnen Animationssequenzen eingefügt, die bisweilen mit hübscher Ironie die Originalbilder aus den 1970er-Jahren und die aktuellen Interviews ergänzen und verstärken, manchmal auch konterkarieren. Das macht den Film abwechslungsreich und erschafft zusammen mit den gut aufgelegten Protagonistinnen eine sehr fröhliche Atmosphäre.
„Ein Tag ohne Frauen“ ist ein echter Gute-Laune-Dokumentarfilm – voller Hoffnung, Humor und Optimismus. Ein Film, der Zeichen setzt. Wie ein Sonnenstrahl an einem trüben Tag.
Im Land mit der kleinsten Lohnlücke
(Jenni Zylka, taz)
Der Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ von Pamela Hogan & Hrafnhildur Gunnarsdóttir erzählt vom „Frauenstreik“ in Island vor 50 Jahren.
Wenn ihr das Wort ‚Streik‘ nicht mögt“, das riet vor 50 Jahren eine Isländerin zaudernden Geschlechtsgenossinnen, „dann nennt es doch einfach ‚freier Tag!‘“ Trick 17. Aber der klappt wieder mal vorzüglich: Der Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ erzählt von der größten feministischen Demonstration des kleinsten nordischen Landes – vom 24. Oktober 1975, an dem nahezu alle Frauen der Insel, egal ob Hausfrauen, Lehrerinnen oder Bankangestellte, egal welchen Alters und welchen politischen Lagers, gemeinsam für gerechte Bezahlung und Teilhabe demonstrierten, anstatt für wenig oder gar kein Geld zu arbeiten. Über 90 Prozent der Frauen waren dabei, viele trafen sich auf dem Marktplatz von Reykjavík und sangen gemeinsam ein eigens für den Streik getextetes Lied.
Sogar auf dem Wasser galt die feministische Solidarität: Drei Frauen, die als Putzkräfte auf einem Schiff angeheuert hatten, erinnern sich im Film, wie sie sich in einer Kajüte einschlossen und nicht mal den wütend gegen die Tür hämmernden Kapitän hineinließen. Dabei galt er, sagt die eine, doch als „allmächtig, sobald man das Ufer verlässt“ – wie passend für einen Beruf, in dem es bis heute nur zwei bis drei Prozent Frauenanteil gibt.
Die Welt schaute auf Island
Die Setzerinnen der größten isländischen Tageszeitung hatten sich in langen Verhandlungen mit den beiden Männern aus der Chefetage bereit erklärt, die Ausgabe vom 24. Oktober in der Nacht zuvor so weit vorzuproduzieren, dass sie am nächsten Morgen ohne ihr Zutun, aber mit einer der Aktion gewidmeten Titelseite erscheinen könnte. Dabei hätten die Frauen diese Garantie gar nicht gebraucht: Die Morgunblaðið wäre schön blöd gewesen, nicht mit dem „Frauenstreik“ aufzumachen – er wurde zur Legende. Die Welt schaute auf Island.
Um das Ganze mit einer Portion auch bildungsbürgerlich verständlichem Sex zu würzen, hatte die internationale Wochenzeitung The Economist ihre Berichterstattung mit „Aristophanes neu geschrieben“ betitelt – Aristophanes‘ bekannteste Komödie „Lysistrata“ beruht auf einem weiblichen Sexstreik.
„Unsere Wut war wunderschön“, sagt eine der vielen sympathischen, energischen und durch Solidarität und Skyr für die Ewigkeit gerüsteten Dóttirs im Film. Island gilt übrigens seit über 14 Jahren als Land mit der kleinsten Lohnlücke zwischen Männern und Frauen international. Und die 1975 mitstreikende Vigdís Finnbogadóttir wurde 1980 in Island zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt weltweit gewählt. „Ich wollte immer Kapitänin werden“, erzählt sie im Film.
Wunderschöne Wut
Wer also das hier gerade liest, weil er durch den Verdi-Streik einen Zeit-Snack angeboten bekommen oder gleich den ganzen Urlaub (oder Geschäftsflug) sausen gelassen hat oder weil er diese Zeitung neben einer wegen der streikenden Müllabfuhr überquellenden Mülltonne gefunden und aufgehoben hat, dem hilft das Bild der „wunderschönen Wut“ hoffentlich ein kleines bisschen.
Für den nächsten großen Streik könnten sich ruhig mal Männer zusammentun. Ich schlage vor, dass einen Tag lang alle Männer weltweit das Autofahren bestreiken. Wenn unbedingt etwas oder jemand per Individualverkehr transportiert werden muss, machen das Fahrerinnen. Die Folgen kann man sich nicht in seinen kühnsten Träumen ausmalen: reduzierte Unfälle, reduzierte Umweltverschmutzung, reduzierte Herzinfarkte, keine Auto-Attentate. Vermutlich ist es sinnvoll, zaudernden Geschlechtsgenossen die Idee als „freien Tag vom Autofahren“ zu verkaufen. Bei den Frauen Islands hat’s jedenfalls hervorragend geklappt.