Glennkill: Ein Schafskrimi
GB/USA 25, R: Kyle Balda, FSK: 6, 110 min
Mit Hugh Jackman, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine, Molly Gordon, Emma Thompson
Schäfer George (HUGH JACKMAN) liest seinen geliebten Schafen jeden Abend Krimis vor und nimmt an, dass sie kein Wort davon verstehen. Doch als ein mysteriöser Vorfall das friedliche Leben auf der Farm durchbricht, wird den Schafen bewusst, dass sie selbst nun die Ermittlungen übernehmen müssen. Also folgen sie der Spur der Beweise und machen menschliche Verdächtige ausfindig. Dabei beweisen sie, dass auch Schafe brillant darin sein können, Verbrechen aufzuklären. Ein neuer, geistreicher Krimi der etwas anderen Art!
Ein Schäfer in der irischen Provinz liest seinen Tieren regelmäßig Krimis vor. Als er eines Tages ermordet wird, übernehmen die unbedarften Tiere die Ermittlungen und suchen den Täter unter den kauzigen Dorfbewohnern, von denen fast jeder ein Motiv hat. Dem Einsatz der Schafe begegnen die Menschen zunächst allerdings mit völligem Unverständnis. Die Krimikomödie in nostalgischem Ambiente schöpft ihren Humor aus den Missverständnissen zwischen Menschen und Tieren und erzählt über die sprechenden Schafe davon, wie man die Wirklichkeit akzeptieren und durch schlechte Erfahrungen wachsen kann. Ein warmherziger, versöhnlicher, zu Herzen gehender und lustiger Genre-Mix für die ganze Familie.
Der Film läuft auch am Mi 23.09. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.
Pressestimmen zum Film
„Glennkill: Ein Schafskrimi“
film-rezensionen.de // Oliver Armknecht
Für die Schafe von George Hardy (Hugh Jackman) ist es der eindeutige Höhepunkt jeden Tag, wenn er ihnen vor dem Schlafengehen aus einem seiner Krimis vorliest. Gebannt warten sie immer darauf, wie die Geschichten wohl ausgehen werden und wer den Mord begangen hat. Nur Lily, das klügste Schaf der Welt, weiß schon vorher immer, was die Auflösung ist. Als George eines Tages plötzlich stirbt, weiß sie daher sofort, dass da jemand seine Hände im Spiel hatte. Aber wer könnte ihn nur ermordet haben? Da der Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) keine Erfahrung mit solchen Verbrechen hat und zudem nicht der Hellste ist, beschließen die Schafe, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Schließlich haben sie durch die tägliche Lesestunde genügend Wissen, das sie jetzt einmal anwenden dürfen …
Gelungene Adaption des Bestsellers
Krimis gibt es natürlich wie Sand am Meer. Und so beliebt dieses Genre ist, muss man sich in dem hart umkämpften Umfeld schon etwas einfallen lassen, um irgendwie aus der Masse hervorzustechen. Die deutsche Schriftstellerin Leonie Swann hatte eine ebenso einfache wie abwegige Idee: Sie ließ einfach Schafe den Mord aufklären und erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Die Idee zahlte sich aus, der 2005 veröffentlichte Roman Glennkill wurde zu einem weltweiten Bestseller. 2010 folgte mit Garou sogar ein zweiter Teil, der erzählt, wie es mit den Schafen weiterging. Kein Wunder also, dass irgendwann die Idee aufkam, daraus einen Film zu machen. Bis daraus auch ein fertiges Werk wurde, dauerte es sehr lange, was selten ein gutes Zeichen ist. Umso größer – und freudiger – ist die Überraschung, wie gelungen das Ergebnis ist.
Eins vorweg: Große Fans der Vorlage müssen sich daran gewöhnen, dass der Film zwar das Konzept des Romans aufgreift, daraus aber etwas Eigenes macht. Das fängt schon damit an, dass das ermittelnde Schaf umbenannt wurde: Aus Miss Maple, eine Anlehnung an Miss Marple von Agatha Christie, wurde Lily. Schäfer George stirbt auf eine andere Weise, das Motiv für den Mord ist ein anderes, vermutlich, um eine jüngere Zielgruppe ansprechen zu können. Auffällig ist auch, wie Glennkill: Ein Schafskrimi bei der Perspektive hin und her springt. War das Original recht konsequent aus der Sicht der Schafe erzählt, was einen großen Teil des Reizes ausmachte, da sind die Menschen hier deutlich prominenter in Szene gesetzt. Ein Manko ist Letzteres nicht, was auch an der blendend aufgelegten Besetzung liegt. Vor allem Nicholas Braun ist als überforderter Polizist eine echte Bereicherung.
Voller Herz und Humor
Der Charme und Witz der Idee ist jedoch geblieben. So baut der Film auf das Prinzip, das man durchaus immer mal wieder in Krimis findet, gerade den humorvolleren: Jemand, der keine Ahnung von Verbrechen hat, muss dieses lösen. Bei Glennkill: Ein Schafskrimi wird das aber noch verstärkt, weil die vierbeinigen Hauptfiguren die Menschenwelt insgesamt nicht wirklich verstehen und deshalb Handicaps mitbringen, die man sonst eher nicht findet. Der Humor ist dann vielleicht nicht sehr anspruchsvoll, zumal die eine oder andere Slapstickszene dabei ist – Regisseur Kyle Balda ist nun einmal für die Minions bekannt. Aber es macht doch immer wieder Spaß, wie die Tiere versuchen, aus dem schlau zu werden, was sie sehen, oder wie die Menschen sich über die Schafe wundern, die sich so seltsam verhalten.
Kombiniert wird diese liebenswürdig-schräge Dorfkomödie mit einigen emotionalen Momenten, die tatsächlich funktionieren. Das betrifft einerseits die Menschen, allen voran Rebecca (Molly Gordon), die Tochter des Mordopfers. Eine der schönsten Szenen überhaupt handelt aber tatsächlich von den Schafen, wenn wir durch Mopple – das einzige Schaf, das nicht alles vergisst –, eine ebenso herzerweichende wie tröstliche Erkenntnis haben. Insgesamt ist Glennkill: Ein Schafskrimi dann auch ein wundervoller Film geworden, der als Krimi zwar ein fluffiges Leichtgewicht ist, der aber so viel Herz und Humor hat, dass es fast unmöglich ist, ihn nicht zu lieben.
„Glennkill: Ein Schafskrimi“: Agatha-Christie-Nostalgie im Woll-Pelz
ndr.de // von Bettina Dunkel
Es braucht schon eine ordentliche Portion Mut und Selbstvertrauen, eine Bestsellerverfilmung deutlich von der Literaturvorlage zu lösen, vor allem wenn es sich um einen millionenfach verkauften und in über 30 Sprachen übersetzten Titel wie „Glennkill“ handelt.
2005 unter dem Pseudonym Leonie Swann von einer in Dachau geborenen Autorin veröffentlicht, belegte der aus Sicht einer Schafherde geschriebene Krimi monatelang die Spiegel-Bestsellerliste und hat dank zweier Fortsetzungen bis heute eine große Fangemeinde.
Nicht so brutal wie die Bestseller-Vorlage
Kinderfreundlich ist die Originalgeschichte allerdings nicht. Das Mordopfer, der Schäfer, wird mit einem Spaten in der Brust gefunden. Drogen spielen auch eine Rolle, und trotz der tierisch-lustigen Perspektive ist die Handlung ziemlich düster. In der Leinwand-Adaption muss der von Hugh Jackman gespielte Schäfer zwar auch relativ früh das Zeitliche segnen, aber der Tod des auf einem abgelegenen Weidehügel lebenden Einzelgängers ist nicht ganz so brutal wie im Buch.
So natürlich wie der überforderte Dorfpolizist zunächst vermutet, ist er aber auch nicht. Und weil der Ordnungshüter auch sonst eher Typ treu-doofer Trottel ist, übernimmt kurzerhand die Schafherde selbst die Schnüffelarbeit – allen Zweifeln aus den eigenen Reihen zum Trotz.
Skurrile Figuren mit Tiefgang
US-Drehbuchautor Craig Mazin, bekannt für so grundverschiedene Arbeiten wie die beiden „Hangover“-Fortsetzungen und die HBO-Serien „Chernobyl“ und „The Last of Us“, hat aus der Buchvorlage seine ganz eigene Story geschnitzt. Und weil der Nostalgie-Pfad für Leinwanddetektive in den letzten Jahren zwar viel beschritten, aber noch lange nicht ausgetreten wurde, bewegt sich „Glennkill“, überaus scharfsinnig, auf den Spuren von Agatha Christie.
Die Figuren, ob menschliche Darsteller oder computeranimierte Schafe, sind durch die Bank skurrile Charakterköpfe, deren Stärken und Schwächen sich erst im Laufe der Handlung erschließen. Denn natürlich geht es nicht nur darum, den Tod von Schäfer George aufzuklären – es geht auch um das Aufdecken von gut gehüteten Geheimnissen und das Überwinden von Ängsten, Selbstzweifeln und Vorurteilen.
Dass so etwas am besten im Team funktioniert, es also auch um Freundschaft und Zusammenhalt geht, hat man so in der Art schon häufiger gesehen. Zuletzt etwa in den „Paddington“-Verfilmungen, die in Machart und Stil einiges an Inspiration geliefert haben dürften.
„Glennkill“: Liebenswerte Krimikomödie
Entsprechend ist „Glennkill“ eine liebenswert schrullige und maximal familienfreundliche Krimikomödie mit Herz, Humor und tragischen Elementen. Ein wenig mehr Wagemut beim Durchdrücken des Anarcho-Gaspedals wäre schön gewesen – schließlich hat Minions-Regisseur Kyle Balda Regie geführt. Aber einmal ist keinmal, Fortsetzung folgt bestimmt, und die darf dann auch gern der Literaturvorlage etwas treuer bleiben.