Hamnet
GB/USA 25, R: Chloé Zhao, FSK: 12, 126 min
OSCAR Beste Hauptdarstellerin für Jessie Buckley!
Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr
Es ist die Geschichte des großen William Shakespeare (Paul Mescal) – und seiner Familie: Aus Sicht seiner empfindsamen Frau Agnes (Jessie Buckley) erlebt man, wie sie sich in den Barden verliebt und die beiden ihr gemeinsames Leben planen. Als ihr einziger Sohn Hamnet im Alter von elf Jahren ums Leben kommt, droht ihre Liebe zu ersticken. Mitten in dieser furchtbaren Tragödie beginnt Shakespeare in seiner tiefen Verzweiflung und Trauer, „Hamlet“ zu schreiben…
„Hamnet“ ist eine leise Wucht von einem Film. Eine meditative, schonungslose Auseinandersetzung mit dem Tod, der Trauer und der Liebe. Intensiver kann ein Filmerlebnis nicht sein.“ (Anna Wollner, NDR)
Oscarpreisträgerin Chloé Zhao (NOMADLAND) verwandelt Maggie O’Farrells Welt-Bestseller „Hamnet“ in ganz großes Gefühlskino über Liebe, Verlust und die Geburt von Kunst aus Trauer – stark inszeniert und in den Hauptrollen mit Jessie Buckley und Paul Mescal phänomenal gut besetzt!
Der Film läuft auch am Mi 08.04. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.
Pressestimmen zum Film
Oscar-Gewinner „Hamnet“ verwebt magische Naturbilder mit großer Tragik
Schon bei den Golden Globes wurde „Hamnet“ als bestes Drama ausgezeichnet – nun holte er auch einen Oscar. Er war für acht Kategorien nominiert. Chloé Zhaos Drama zählt zu den eindrucksvollsten Kinoerlebnissen des Jahres.
Von Anna Wollner / NDR
Es ist so etwas wie Liebe auf den ersten Blick zwischen William Shakespeare und Agnes Hathaway in „Hamnet“. Eine Liebe, die tief ist, keine klassische Romanze, eher eine Seelenverwandtschaft.
Der Film von Chloé Zhao, die als einzige Regisseurin dieses Jahr für einen Oscar nominiert war, beobachtet genau. Nicht nur die Beziehung zwischen William und Agnes, sondern auch das Dorfleben im elisabethanischen England. Er zeigt den Unterschied zwischen den Ständen, den Alltag zwischen Tradition und Agnes‘ tiefer Verbundenheit mit der Natur. Doch dann kommt die Tragödie, das große Trauma: der plötzliche Tod des elfjährigen Sohnes Hamnet.
Chloé Zhaos spiritueller Blick auf die Natur
„Hamnet“ basiert auf dem gleichnamigen Historienroman von Maggie O’Farrell, füllt die Leerstellen von William Shakespeares Biografie, behutsam und ohne Erklärungseifer. Zhao wählt einen spirituellen Zugang. Sie inszeniert die Natur als eigene Figur im Film. Das Rauschen des Windes, das Summen der Bienen, der Nebel über den Feldern, der Dauernieselregen. Wie so oft bei der chinesisch-stämmigen Regisseurin, die mit Filmen wie „The Rider“ oder „Nomadland“ begeistert hat, erzählt sie auch hier von Figuren am Rand.
„Als ich das Buch las, faszinierte mich als Erstes Agnes und ihre Beziehung zum Unsichtbaren, ihre Beziehung zu ihren Vorfahren und zum Wald. Das war der Ort, an den ich wollte“, erzählt die Regisseurin. „Dann gibt es noch diese Liebesgeschichte. Diese beiden Menschen, die so unterschiedlich sind und sich gerade darin ergänzen. Ihre Unterschiede sind das, was sie aneinander lieben, und was es ihnen zugleich schwer macht, sich zu sehen, wenn eine solche Tragödie eintritt. Und schließlich die Art und Weise, wie Kunst und Geschichtenerzählen unsere menschlichen Erfahrungen in etwas verwandeln, das wir mit der Gemeinschaft teilen können.“
Schauspielerische Intensität: Paul Mescal und Jessie Buckley überzeugen
Drei große Themen prägen „Hamnet“: die Liebe, der Tod und der Umgang mit Verlust – verwandelt in Kunst. Paul Mescal spielt Shakespeare als Getriebenen, innerlich Zerrissenen; Jessie Buckley öffnet Agnes in jeder Sekunde, zeigt ihre Verletzlichkeit und ihre Stärke zugleich. „Ich brauche diese Komplexität“, sagt die Hauptdarstellerin, die im März 2026 als beste Hauptdarstellerin mit einem Oscar für diesen Film geehrt wurde. „Ich brauche die Schatten, weil sie mich menschlicher machen und mich tiefer mit der Welt und mir selbst verbinden. Ich reagiere allergisch auf Entkörperlichung. Ich habe das in meinem Leben in vielen Formen ausprobiert. Die Frauen, die ich gespielt habe, haben mir erlaubt, diese Komplexität und diese Schatten zu integrieren – und dadurch einen intensiveren Kontakt zur Welt und zu meinen Beziehungen zu finden. Das war die beste Lektion meines Lebens.“
„Hamnet“ ist eine leise Wucht von einem Film. Eine meditative, schonungslose Auseinandersetzung mit dem Tod, der Trauer und der Liebe. Intensiver kann ein Filmerlebnis nicht sein.
Hamnet – eine der intensivsten und bewegendsten Kino-Erfahrungen seit Jahren: „Am Ende heult der ganze Kinosaal“
Von Julius Vietzen / filmstarts.de
Das Kinojahr hat für FILMSTARTS-Redakteur Julius Vietzen direkt mit einer sehr intensiven Filmerfahrung begonnen: Chloé Zhaos „Hamnet“ sollte man sich auf der großen Leinwand und in einem voll besetzten Saal auf keinen Fall entgehen lassen.
Der Delphi Filmpalast in Berlin-Charlottenburg ist ein wunderbares Kino, in dem sich ein Besuch noch ein bisschen so anfühlt wie im Theater oder in der Oper. Ein elegantes Foyer, ein großer Saal, rote Samtvorhänge – genau das richtige Ambiente also für einen Film, der die Kraft der Kunst als gemeinschaftliches, kathartisches Erlebnis wie kaum ein anderer Film der letzten Jahre feiert. Und der gerade in einem gefüllten Kinosaal seine volle Wirkung entfaltet: „Hamnet“.
„Hamnet“ ist einer dieser Filme, der Menschen in meinem Beruf schon eine ganze Weile begleitet – von den eröffnenden Casting-Meldungen über den ersten Trailer bis hin zu den begeisterten Stimmen von den Filmfestivals in Telluride und Toronto. Und wenn ein Film mit derartigen Vorschusslorbeeren bedacht wird, fällt es häufig schwer, ohne hoffnungslos überzogene Erwartungen im Kino zu sitzen.
Ich war mir also vor „Hamnet“ wirklich nicht sicher, ob mir der neue Film der zweifachen Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao („Nomadland“) so gut gefallen würde, wie ich es mir erhoffte. Ich kann jedoch mit Freude berichten, dass „Hamnet“ wirklich so grandios war, wie es die ersten Stimmen versprochen haben. Wobei Freude in diesem Fall vielleicht das falsche Wort ist: Denn kaum ein Film hat mich in den letzten Jahren derart fertig gemacht und zu Tränen gerührt.
In „Hamnet“ erzählte Zhao basierend auf der Buchvorlage „Judith und Hamnet“ von Maggie O’Farrell, die gemeinsam mit der Regisseurin auch das Drehbuch verfasst hat, von dem historisch verbürgten Tod von William Shakespeares Sohn Hamnet, den der Autor im Film durch das Schreiben seines womöglich bekanntesten Stücks „Hamlet“ verarbeitet.
Ob das wirklich so war, ist nicht bekannt, und spielt für „Hamnet“ auch keine Rolle. Hier wird schließlich eine fiktive Geschichte um historische Fakten und Figuren gestrickt. Was sich jedoch nicht bestreiten lässt, ist die herzzerreißende Wirkung des Films – vor allem in einem voll besetzten Kinosaal.
Schwer erträglich, aber großartig
„Hamnet“ erschüttert sein Publikum früh mit einem Schicksalsschlag für Shakespeare (Paul Mescal) und seine Frau Agnes, die von Jessie Buckley absolut fantastisch und Oscar-verdächtig verkörpert die eigentliche Hauptfigur des Films ist: Der unvermeidliche Tod von Hamnet (was für eine Leistung von Kinderdarsteller Jacobi Jupe!) nach etwa der Hälfte des Films ist eine unglaublich intensive Szene, die ich wohl nie wieder vergessen werde und nach der es im Kinosaal endgültig kein trockenes Auge mehr gegeben haben dürfte.
Das ist kein Spoiler, sondern so herzzerreißend und schwer erträglich die Szene auch ist (erst recht, wenn man wie ich selbst Kinder hat), nur die Vorbereitung für den eigentlichen Kern von „Hamnet“: Wie geht man – gerade als Elternteil – mit so einer Tragödie um? Und welche unterschiedlichen Wege gibt es, so etwas zu verarbeiten? Und so steuert „Hamnet“ nach dem Tod der Titelfigur unweigerlich auf das den ganzen Film überstrahlende Finale hin.
Am Ende heult der ganze Kinosaal
Nach der tiefen, ausweglos scheinenden Trauer der vorherigen Szenen erleben wir hier gemeinsam mit Agnes und dem anwesenden Publikum im berühmten Globe-Theater die Uraufführung von „Hamlet“, bei der nicht nur Agnes ein neues Verständnis für ihren Mann findet, sondern auch das Publikum von der Macht des Stücks mitgerissen wird – ebenso wie das Publikum im Kino.
Dieses Finale an sich ist ein Meisterstück von Chloé Zhao, die hier gemeinsam mit ihrem Kameramann Łukasz Żal („The Zone Of Interest“) Bilder für ein Gefühl findet, das sich nur schwer beschreiben lässt: nämlich wie gut es sich anfühlen kann, bei einem Film (oder jeder anderen Art von Kunstwerk) einfach mal richtig zu heulen und sich danach so zu fühlen, als wäre einem eine schwere Last von den Schultern genommen.
Ich bin mir sicher, dass man „Hamnet“ auch zu Hause auf dem Sofa schauen kann und man dabei zu Tränen gerührt wird und sich dieses kathartische Gefühl einstellt. Doch seine ganze Kraft entfaltet der Film nur, wenn um einen herum auch noch andere Menschen schniefen und schluchzen.
Doch „Hamnet“ endet eben nicht nur auf einer tragischen, sondern auch auf einer erstaunlichen hoffnungsvollen Note. Und so bin ich nach „Hamnet“ nicht tief betrübt aus dem Kino gegangen, sondern begeistert, überwältigt und mit dem dringenden Bedürfnis, zu meiner Familie nach Hause zu gehen. Mit anderen Worten: „Hamnet“ ist zwar ganz sicher kein seichter Feel-Good-Movie. Doch ich kann trotzdem aus tiefstem Herzen empfehlen, „Hamnet“ auf der großen Leinwand zu schauen – egal, ob im Delphi oder in jedem anderen Kino.