Kino / Nachlese

Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

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F 24 R: Laura Piani, FSK: o.A., 98 min

Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr

Agathe (Camille Rutherford) arbeitet in einer Buchhandlung und kennt für jede Lebenslage die passende Jane-Austen-Empfehlung. Während sie vom eigenen Schriftstellerinnendasein träumt, meldet ihr bester Freund Félix (Pablo Pauly) heimlich die ersten Kapitel ihres Romans bei einem Wettbewerb an – mit Erfolg: Agathe gewinnt einen Aufenthalt in der „Jane Austen Writers‘ Residency“. Auf dem historischen Landsitz soll ihr Liebesroman zwischen Teestunden und literarischem Austausch Gestalt annehmen. Doch der Kuss, den Félix ihr kurz vor der Abreise gibt, bringt sie ebenso aus dem Konzept wie ihr neuer Nachbar: Oliver (Charlie Anson), Nachfahre von Jane Austen, der wenig für Herzschmerz übrighat. Trotz Abneigung kreuzen sich ihre Wege immer wieder, während Agathe versucht, ihre Schreibblockade zu überwinden – und dabei tiefer in eine ganz eigene Liebesgeschichte gerät.

Basierend auf dem besten Roman, den Jane Austen nie geschrieben hat: JANE AUSTEN UND DAS CHAOS IN MEINEM LEBEN ist eine feinsinnige und lebensnahe Komödie mit Verstand und Gefühl, Sinn und Sinnlichkeit, an der auch die ikonische Großmeisterin bestimmt ihre Freude gehabt hätte. Mit pointiertem Witz und viel Herz erzählt Regisseurin Laura Piani vom literarischen Ursprung moderner Liebeswirren und schafft Feel-Good-Kino in Perfektion, das ganz und gar verzaubert.

Der Film läuft auch am Mi 14.01. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.

Pressestimmen zum Film

Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

(Stefan Volk, Filmdienst)

Romantische Komödie um eine Jane-Austen-Liebhaberin, die von der großen Liebe und einer Karriere als Schriftstellerin träumt, bis zwei Männer plötzlich alles durcheinanderwirbeln.

Wer die Pariser Buchhandlung „Shakespeare and Company“ einmal so leer erleben möchte wie in „Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“, muss dort wohl einen Film drehen wie den von Laura Piani. Der bildet die Dinge nicht so ab, wie sie äußerlich zu sein scheinen, sondern offenbart ihren innewohnenden Geist. Mit anderen Worten: keinen realistischen, sondern einen romantischen Film.

Eine literarische Fantasie
Für Agathe (Camille Rutherford), die charmant zwischen Selbstzweifeln und Selbstbewusstsein mäandrierende Protagonistin, die bei „Shakespeare and Company“ als Verkäuferin arbeitet, ist der Buchladen ein Sehnsuchtsort, den sie schon in der Eröffnungsszene träumerisch Bücher sortierend durchtänzelt. Damit ist der nostalgische Grundton des Films gesetzt. Es entsteht der Eindruck, dass Agathe, die von Online-Dates und One-Night-Stands nichts hält und von sich selbst sagt, sie sei im falschen Jahrhundert geboren, eigentlich in einem der von ihr innig geliebten Jane-Austen-Romane lebt. Ihr bester Freund Félix (Pablo Pauly), dem sie bei seinen mannigfaltigen Affären halb scherzhaft „Breadcrumbing“, also eine perfide Hinhaltetaktik, attestiert, rät ihr allerdings, nicht länger auf ihren Darcy zu warten.

Agathe vergleicht sich selbst zwar eher mit Anne Elliot als mit Elizabeth Bennet, weil sie wie Anne eine alte „verwelkte“ Jungfer sei, teilt mit beiden Romanheldinnen von Jane Austen jedoch das Schicksal, nicht so recht in ihre Zeit zu passen. Seit ihre Eltern bei einem Autounfall gestorben sind, fährt sie nur noch mit dem Fahrrad durch die Pariser Altstadt, die in den lichtdurchfluteten Aufnahmen von Pierre W. Mazoyer zauberhaft idyllisch erscheint. In dem kreativen Schreibkurs, den sie besucht, drängt die Lehrerin sie dazu, doch endlich mal etwas Neues zu versuchen, nicht immer nur die gleichen Liebesgeschichten. Als Félix jedoch eine dieser Geschichten liest, ist er derart begeistert, dass er sie heimlich bei einem Wettbewerb einreicht, durch den Agathe einen Aufenthalt in der Jane-Austen-Writers-Residency in Hampshire gewinnt.

Durcheinander auf Französisch
Félix bringt sie zur Fähre, und wie aus heiterem Himmel küssen sie sich leidenschaftlich zum Abschied. In England wird Agatha von Oliver (Charlie Anson), einem Ur-ur-ur-ur-Großneffen von Jane Austen, im Oldtimer abgeholt. Zur Begrüßung kotzt die seekranke Agathe ihm erst einmal auf die Schuhe. Dann hat das Auto eine Panne, und sie müssen darin übernachten. Oliver, Professor für neuere Literatur, hält Jane Austen für überschätzt, worauf Agathe entrüstet erklärt, dass vor Austen nur Männer über Frauen geschrieben hätten, die sie entweder als Heilige oder Monster darstellten. Seit Austen dürften Frauen endlich normale Menschen sein – sogar mit Humor.

Als Agathe am Telefon später auf Französisch über Oliver lästert und sich dann erst herausstellt, dass dieser fließend Französisch spricht, ist klar, wohin das zwischen den beiden führt. Als dann aber auch noch Félix in der Residency auftaucht, ist das titelgebende Chaos perfekt.

Im Original heißt der Film allerdings „Jane Austen a gâché ma vie“, Jane Austen hat mein Leben verpfuscht. Legt man den Satz Agathe in den Mund, kann er nur selbstironisch gemeint sein. Sie weiß Humor nicht nur bei Austens Frauenfiguren zu schätzen; er begleitet sie beständig durch ihren Alltag. Und obwohl sie in der Jane-Austen-Residenz vorübergehend tatsächlich in eine Romanwelt einzutauchen scheint, inklusive Kostümball, wirkt sie mit ihrer sanftmütig spöttischen Art und dem Hang für Fettnäpfchen eher wie Bridget Jones’ schlaksige französische Seelenschwester und weniger wie eine Austen-Figur.

Ein gewagter Mix
In leuchtenden Farben und märchenhaft zeitloser Atmosphäre bewegt sich der gesamte Film zwischen diesen beiden Polen: einer opulenten Jane-Austen-Verfilmung und einem neckischen Liebesfilm. Ein gewagter Mix, der in der leichthändigen Inszenierung von Drehbuchautorin und Regisseurin Laura Piani wunderbar aufgeht.


Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

(Gaby Sikorski, Programmkino.de)

Laura Pianis überzeugendes und sehr amüsantes Kinodebüt erinnert inhaltlich – und nicht ganz unbeabsichtigt – an eine aktualisierte Version von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, was übrigens auch für „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ gilt. Doch Laura Piani hat einen zwar ebenfalls originellen und witzigen Film inszeniert, aber auch etwas ganz Besonderes: Ihre Komödie ist nicht nur erfüllt von kreativem Humor, sondern auch gleichzeitig altmodisch und modern, geistvoll und rustikal. Das Ergebnis ist eine liebevolle Hommage an Jane Austen und alle ihre ambitionierten Nachfolgerinnen – und eine durchaus anspruchsvolle Komödie.

Die Französin Agathe lebt zwar in Paris, ist aber alles andere als weltgewandt. Stattdessen ist sie in den Dingen des Lebens dermaßen unerfahren und unsicher, dass sie mit Mitte 30 immer noch nicht richtig weiß, was sie will und wohin ihr Weg sie führt. Sie hat eine vage Neigung zum Schreiben, besucht auch einen kreativen Schreibkurs, aber ohne viel Ehrgeiz. Immerhin hat sie einen Job in der berühmten englischen Buchhandlung in Paris, was sie vermutlich nicht nur der Tatsache verdankt, dass sie alles von Jane Austen gelesen hat, sondern auch ihren perfekten englischen Sprachkenntnissen. Als Einzelgängerin mit Tendenz zum tölpeligen Verhalten und wenig Geschick im Umgang mit anderen Menschen, tanzt sie, wenn überhaupt, zwischen den Bücherregalen – für sie der Gipfel der Lebensfreude. Ihr bester und einziger Freund ist ihr Kollege Félix. Nix zum Verlieben, aber ein guter Kumpel. Sie vertraut ihm sogar ihre ersten ernsthafteren Schreibversuche an: den Anfang eines Romans, zu dem sie anlässlich eines Tagtraums inspiriert wurde – eine fantastische Liebesgeschichte. Dabei ahnt sie nicht, dass Félix sich als ihr Literaturagent ausgibt und das Manuskript ohne Agathes Wissen bei einem Schreibwettbewerb einreicht. Tatsächlich gehört Agathe zu den Gewinnern: die Belohnung sind zwei Wochen Schreiburlaub in der Jane Austen Residency in England. Statt sich zu freuen, findet Agathe gleich eine Unmenge von Ausreden, warum sie nicht nach England fahren kann. Félix und Agathes Schwester Mona müssen ihre gesamten Kräfte aufwenden, um Agathe zur Reise zu überreden. Kaum hat sie den Fuß auf englischen Boden gesetzt, begegnet ihr schon der attraktive, aber schnöselige Oliver, ein Ur-Großneffe von Jane Austen, der nicht viel von seiner Vorfahrin hält, obwohl er immerhin Literaturprofessor ist. Beides diskreditiert ihn in Agathes Augen. Agathe reagiert alles andere als souverän und blamiert sich mit einem Faux pax, der nicht nur Olivers Schuhe, sondern auch Agathes ersten Eindruck ruiniert. Diese erste Begegnung ist nur der Beginn einer Reihe von wechselseitigen Peinlichkeiten und Missverständnissen, die nach den ungeschriebenen Gesetzen der romantischen Komödie nur einen einzigen Schluss zulassen: Diese Beiden werden sich finden. Doch so einfach macht es Laura Piani weder sich selbst noch Agathe noch dem Publikum. Und das ist höchst erfreulich.

Hier geht es nämlich gar nicht vorrangig um eine Frau auf der Suche nach einem Mann bzw. nach der großen Liebe. Das wäre nicht nur unzeitgemäß und primitiv, sondern es würde der ganze Bezug zu Jane Austen und zu ihrem Werk fehlen. „Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“ ist dankenswerterweise alles andere als eine locker leichte, seichte RomCom, sondern vielmehr eine raffiniert konstruierte, witzige und dabei ziemlich anspruchsvolle Selbstfindungsgeschichte. Die Raffinesse liegt unter anderem darin, dass der Film auch dann super funktioniert, wenn man sich einfach so im Kino amüsieren möchte. Und das ist dann ein Kennzeichen für eine gelungene Komödien: Wer möchte, findet den Tiefgang, und ansonsten wird beste Unterhaltung geliefert. So funktionieren auch die Bücher von Jane Austen und – nebenbei bemerkt – praktisch alle guten Filme und Romane.

Diese Story erzählt von einer künftigen Schriftstellerin, die im Schreiben versucht, sich selbst zu sortieren und auf der Suche ist: nach sich selbst und ihren Zielen, ihrem Schreibstil und vielleicht auch nach Liebe. So lange sie um sich selbst kreist, hat sie im Grunde keinen Nerv für die Welt um sich herum und auch nicht für die beiden attraktiven Männer in ihrem Leben. Sie merkt nicht, dass Félix in sie verliebt ist, vielleicht ist es ihr auch egal. Aber wenn sie sich schließlich für Oliver interessiert, bedeutet das auch, dass sie einen Weg zu sich selbst findet und sich stabilisiert.

Laura Pianis Regiedebüt, für das sie auch das Drehbuch schrieb, schwelgt in sanften, herbstlichen Farben und ist stimmungsvoll mit viel Klaviermusik unterlegt. Da gibt es nichts Knalliges, außer hin und wieder Agathes Fehltritte. Doch es gibt viele feine Gags, für die unter anderem zwei Alpakas und ein leicht dementer, freundlicher alter Herr verantwortlich sind.

Die französisch-britische Komödie verbindet in ihrer Vielschichtigkeit das Beste aus beiden Nationen: französischer Charme und englischer Humor – bzw. umgekehrt. Und das funktioniert ganz wunderbar, wobei die Figur der Agathe daran einen großen Anteil hat. Camille Rutherford („Club Zero“) spielt sie mit einer liebenswerten Tollpatschigkeit, die auf den ersten Blick nicht zu ihrer eher herben viktorianischen Schönheit zu passen scheint: Diese Frau ist zu Beginn eine komplizierte Persönlichkeit ohne Selbstvertrauen. Sie schleppt einiges mit sich herum, was sehr langsam und ganz en passant enthüllt wird. Ob sie sich überhaupt und wenn ja, für welchen der beiden hübschen Jungs sie sich entscheidet, wird eigentlich zur Nebensache. Félix (zum Knuddeln: Pablo Pauly) bietet ihr Vertrautheit und Verständnis, mit Oliver (Charlie Anson als lässig arroganter Ober-Snob) kann sie sich prächtig streiten, wobei Charlie Anson sehr an Hugh-Grant erinnert, aber unbestreitbar auch einen gewissen eigenen Charme entwickelt. Beim großen Jane-Austen-Ball, der die drei Hauptpersonen in passenden Kostümen zusammenbringt, hat Agathe dann endlich die Gelegenheit zum direkten Männervergleich und zum Tanz mit beiden. Nach den ungeschriebenen Gesetzen der RomCom müsste die Entscheidung dann eigentlich eindeutig sein. Aber wer weiß…