Kino / Nachlese

One Battle after another

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USA 25, R: Paul Thomas Anderson, FSK: 16, 162 min
Gewinner von vier Golden Globes
OSCARS: Bester Film / Beste Regie / Sean Penn – Bester Nebendarsteller / Bestes adaptiertes Drehbuch / Bester Schnitt / Bestes Casting

Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr

Paul Thomas Andersons (MAGNOLIA, THE MASTER, LICORICE PIZZA) neues Werk ist ein wilder Ritt, eine witzige, zugleich explosive Mischung aus Road‑Movie, actiongeladenem Thriller und bitterböser Satire: Eine Gruppe revolutionärer Linker aus Los Angeles wird wegen ihrer Attacken gegen das System vom Militär gesucht. 16 Jahre später geraten der untergetauchte Aktivist Bob und seine mittlerweile fast erwachsene Tochter erneut ins Visier eines erzkonservativen Obersts (Sean Penn). Zusammen mit seinen alten Weggefährten Sensei Segio (Benicio del Toro), Deandra (Regina Hall) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) bietet Bob alias Ghetto Pat dem Colonel die Stirn…

Der lose auf dem Thomas-Pynchon-Roman „Vineland“ basierende Film erzählt ebenso verästelt wie turbulent von einer Gesellschaft, die von gesellschaftlichen und politischen Spannungen zerrissen ist. Zwischen Untergrund, Verfolgung und familiärer Nähe entfaltet sich ein eindrückliches Epos mit brüchigen Charakteren und exzellenten schauspielerischen Darbietungen, zugleich politisches Panorama und intimes Vater-Tochter-Drama. Das Tempo ist rasant, die Stimmung impulsiv und abgedreht. Schnell treibt der Film die Geschichte voran. Leonardo DiCaprio als nervöser Ex-Aktivist und Sean Penn als Lockjaw liefern eine OSCAR-reife Darbietung ab. Auch optisch ist der Film ein echtes Spektakel, mit energiegeladener Kameraführung und fast ekstatischem Licht. Wer sich auf DiCaprio in Höchstform, blutigen Witz, Gesellschaftskritik und visuelle Exzentrik einlassen will, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

Der Film läuft auch am Mi 15.04. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.

Pressestimmen zum Film

One Battle After Another (Knut Elstermann, radioeins)

Nach dem Roman „Vineland“ von Thomas Pynchon entstand dieser unglaubliche Film, ein Politthriller mit grandiosen Action-Szenen, ein Psychodrama und zugleich ein düsteres Bild des heutigen, aus den Fugen geratenen Amerika, es geht um Rassismus, politische Utopien, tiefe Spaltung und Entwurzelung. Das raffinierte Drehbuch bietet unendlich viele Wendungen.

Hier nur der Kern: 16 Jahre nach einer missglückten und verratenen Widerstandsaktion begegnen wir dem einstigen Aktivisten Bob (gespielt von Leonardo DiCaprio, hinreißend paranoid) wieder, der eine heranwachsende Tochter hat, die wiederum von einem rechtsradikalen Militär gesucht wird (Sean Penn mit einer beeindruckenden, nervösen Leistung). Paul Thomas Anderson („Licorice Pizza“), einer der innovativsten Regisseure der USA, hat ein wildes, atemloses, ungemein spannendes Kinostück geschaffen, berstend von Emotionen und Energie, voller Humor und Mitgefühl zu allen seinen Figuren, auch zu den miesesten.


„One Battle After Another“
von Bettina Dunkel, BR

Der Film „One Battle After Another“ des US-Regisseurs Paul Thomas Anderson ist eine absurde Action-Komödie über eine Truppe von politischen Desperados. Der Film mit Leonardo DiCaprio und Sean Penn hat sechs Oscars und vier Golden Globes gewonnen.

Der fast dreistündige Film war in 13 Kategorien nominiert und hat in der Nacht zum 16. März insgesamt sechs Oscars erhalten: Bester Film, beste Regie, bestes Casting, beste Nebenrolle, bestes adaptiertes Drehbuch und der beste Schnitt. Zuvor hatte er bereits vier Golden Globes in Kalifornien erhalten. Auszeichnet wurde er bei den Golden Globes je mit einer Trophäe für die beste Komödie und das beste Drehbuch. Anderson wurde als bester Regisseur gewürdigt und Teyana Taylor als beste Nebendarstellerin prämiert.

Die Autokratie greift um sich wie ein Virus

Es gibt keine konkreten Jahresangaben im neuen, sich unheimlich gegenwärtig anfühlenden Film von US-Regisseur Paul Thomas Anderson – aber dass die Zeiten auf Sturm stehen, ist klar. In dem satirischen 160-Minuten-Thriller „One Battle After Another“ sind die USA ein faschistoider Polizeistaat, in dem christliche Nationalisten Amerika wieder groß machen wollen. Störende Objekte werden abgeschoben oder gleich mundtot gemacht. Die Autokratie greift um sich wie ein Virus.

Leonardo DiCaprio als verwirrter Einzelkämpfer

Mittendrin: Bob Ferguson. Einst Teil einer militanten Rebellengruppe, muss er erst wieder lernen, wie das eigentlich funktioniert, die Sache mit der Gegenwehr. Seit vor 16 Jahren eine Guerilla-Aktion gründlich schiefgelaufen ist, versteckt sich der alleinerziehende Sprengstoffexperte mit seiner Teenagertochter in einem Waldhaus irgendwo im Nirgendwo. Alkohol und Drogen haben sein Hirn vernebelt, paranoid ist er obendrein. Kaum verwunderlich also, dass ihm die Erkennungs-Codes aus dem Handbuch für Revolutionäre partout nicht mehr einfallen, als plötzlich wieder Jagd auf ihn gemacht wird.

Weil seine alten Kameraden ihm ohne korrekte Identifizierung jedoch die Unterstützung verweigern, muss sich der von Leonardo DiCaprio oscarverdächtig verpeilt gespielte Big-Lebowski-Widergänger im Kamikaze-Stil durchs kalifornische Grenzgebiet schlagen. Einerseits auf der Suche nach seiner entführten Tochter und seinem weggekifften Verstand, andererseits auf der Flucht vor einem über Leichen gehenden Colonel, weiß er nicht, wie ihm geschieht – und ist damit ein Spiegelbild des Publikums. Denn „One Battle After Another“ ist ein Film, der tausend Haken schlägt.

Im besten Sinne absurd und unvorhersehbar ist diese ebenso irre wie oft auch sehr lustige Leinwand-Lehrstunde, die weit mehr ist als eine düstere Panoramaaufnahme der „Unvereinigten Staaten von Amerika“. Entsprechend ist die Nominierung von Paul Anderson als bester Regisseur und für das beste Drehbuch bei den Golden Globes keine Überraschung. Ingesamt neun Golden-Globe-Nominierungen gab es für den Film, darunter auch für Leonardo DiCaprio und Chase Infiniti als bester Darsteller beziehungsweise beste Darstellerin.

Großartige Verfolgungsjagden und 1970er-Jahre-Nostalgie

Was als atemlos inszenierter Revolutionsthriller beginnt, entwickelt sich nach dem ersten Akt zu einer explosiven Dreiecksgeschichte. Auslöser sind zwei triebgesteuerte Radikale, ebenfalls oscarreif dargestellt von Teyana Taylor und Sean Penn, beide nominiert für einen Golden Globe als Nebendarsteller*in. Ihre unheilvolle Liaison ist der Ausgangspunkt für die später folgende Gewalteruption, die zu einigen der besten Flucht- und Verfolgungsszenen der letzten Jahre führt. Und das nicht etwa, weil die Inszenierung modernen Mission-Impossible-Standards nacheifert. Sondern weil diese Szenen – ob auf nachtdunklen Dächern oder wellenförmigen Wüsten-Straßen – eine Dynamik haben, die im Independent-Actionkino der 1970er-Jahre verortet ist: einer Zeit, in der Widerstand noch ein Lebensgefühl war.

„One Battle After Another“: Film der Stunde zwischen Satire und Action

Raus aus der Lethargie, rein in den Revolutionsmodus – auch wenn die Knochen schmerzen und jüngere Aktivisten oft vollkommen anders ticken. So übermächtig das von weißen Nazi-Milliardären unterwanderte Amerika in „One Battle After Another“ auch sein mag – die Botschaft von Paul Thomas Andersons Allegorie der Gegenwart lautet: Aufgeben ist keine Option. Klingt simpel, hat sich als Mantra aber noch nicht durchgesetzt. Und ist deswegen einer von vielen Gründen, warum „One Battle After Another“ der Film der Stunde ist.