So klingt das Leben
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ES 26, R: Daniel Sánchez Arévalo, FSK 12, 94 min
Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr
Zwei Jahre nach einem tragischen Schiffsunglück versucht ein kleines Fischerdorf an der galicischen Küste wieder Halt zu finden. Die 18-jährige Andrea übernimmt die Leitung des traditionellen Musikensembles – in Erinnerung an ihren Vater, der bei der Katastrophe ums Leben kam. Entschlossen bringt sie frischen Wind in die Proben für den regionalen Wettbewerb, verbindet vertraute Instrumente mit zeitgenössischen Hits und weckt so wieder die Lebensfreude und Zuversicht der Menschen. Ein warmherziger, vielstimmiger Film über die heilende Kraft von Musik und Gemeinschaft mit einem mitreißenden Soundtrack.
Der Film läuft auch am Mi 07.10. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.
Pressestimmen zum Film
Wer geht, stirbt nicht
Von Axel Timo Purr / artechock.de
Daniel Sánchez Arévalo erzählt in seiner Tragikomödie von Trauer, Musik und einem Dorf, das erst wieder tanzen lernen muss, um weiterleben zu können.
Manchmal braucht ein versehrtes Dorf nur einen Kreis. Einen Kreis aus Musikern, Fahnen, Dudelsäcken und Menschen, die sich langsam wieder aufeinander zu bewegen. Daniel Sánchez Arévalos So klingt das Leben erzählt von solch einem rituellen Prozess: Er glaubt an die Kraft gemeinsamer Rituale, ohne sie zu verklären.
Vor zwei Jahren verschwand der Fischer Antonio mit sechs seiner Männer auf See. Seine Leiche wurde nie gefunden. Während seine Tochter Andrea (Judith Fernández) noch immer Dudelsack an seinem Grab spielt, hat das galizische Dorf aufgehört zu musizieren. Die Rondalla, das traditionelle Folkloreensemble, verstummte mit den Toten.
Dass ausgerechnet Antonios bester Freund Luis (Javier Gutiérrez) beschließt, die Musiker wieder zusammenzubringen, ist deshalb weit mehr als Nostalgie. Die Musik soll kein Denkmal errichten, sondern Bewegung ermöglichen. Trauer soll hier nicht verdrängt werden, sondern sich Schritt für Schritt in Katharsis verwandeln.
Das ist dann vielleicht auch die größte Stärke dieses Films: Er erzählt eine Schuld- und Verlustgeschichte, ohne jemals ins Melodramatische abzurutschen. Sánchez Arévalo vertraut kleinen Gesten, Ellipsen und einem Ensemble, dessen Figuren nie bloße Funktionen einer Botschaft werden. María Vázquez als Mutter Carmen, Judith Fernández als zwischen Aufbruch und Stillstand gefangene Andrea oder Carlos Blanco als alter Seebär Yayo – sie alle tragen ihre Verletzungen sichtbar mit sich herum, ohne sie ständig aussprechen zu müssen.
Immer wieder erlaubt sich der Film dabei Momente überraschender Leichtigkeit. Humor, gelegentlich sogar Slapstick, mischen sich selbstverständlich unter den Schmerz. So entsteht jene eigentümliche Tonlage, die das gegenwärtige spanische Kino besonders gut beherrscht, zuletzt in dem auf der diesjährigen Berlinale gezeigten Iván & Hadoum.
Das Herzstück bilden jedoch die Auftritte der Rondalla. Wenn sich Zupfinstrumente, Dudelsäcke, Trommeln und Fahnenträger im Kreis bewegen, entsteht eine Choreografie, die weit mehr erzählt als jedes psychologische Gespräch. Tradition erscheint hier nicht als Folklore für Touristen, sondern als lebendige soziale Praxis. Sie stiftet Gemeinschaft, weil sie Menschen zwingt, aufeinander zu hören.
Ein kleines, beinahe beiläufiges Detail macht diese Haltung besonders schön sichtbar: Bei den Umzügen weht die Europaflagge selbstverständlich neben den regionalen Symbolen. Selten wurde so unaufgeregt gezeigt, dass europäische Identität und lokale Tradition keine Gegensätze sein müssen. Europa erscheint hier nicht als abstraktes Verwaltungsprojekt, sondern als kultureller Resonanzraum, in dem regionale Eigenheiten gerade ihren Platz finden.
Natürlich bewegt sich So klingt das Leben erzählerisch auf vertrautem Terrain. Das Wiederbeleben eines Ensembles, der Wettbewerb als gemeinsames Ziel, alte Konflikte, die sich langsam lösen; all das folgt bekannten Mustern des Feel-Good-Kinos. Doch Sánchez Arévalo interessiert sich weniger für Überraschungen als für seine Figuren. Er begegnet ihnen ohne Herablassung und ohne jene kalkulierte Sentimentalität, die das Genre oft begleitet.
Dass schließlich das Wrack des gesunkenen Fischkutters entdeckt wird und die alten Wunden erneut aufreißen, verhindert konsequent jede vorschnelle Erlösung. Heilung ist kein Endzustand, sondern ein Prozess. Vielleicht muss man gerade deshalb immer wieder gemeinsam musizieren.
So wird So klingt das Leben zu einem Film über die erstaunliche Fähigkeit von Gemeinschaften, sich nach einer Katastrophe neu zu erfinden. Nicht indem sie vergessen, sondern indem sie sich erinnern, gemeinsam, im Rhythmus der Musik.