Sommer auf Asphalt
Sa 05.09.2026 | 19:30 Uhr
D 26, R: Simon Ostermann, FSK: 12, 92 min
Mit Mala Emde, Christoph Maria Herbst, Aaron Hilmer und anderen
Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr
Les (Mala Emde) lebt schnell, spontan und unbeschwert. Tagsüber rast sie als Fahrradkurierin durch die Stadt, nach Feierabend stürzt sie irgendwo mit ihren Freunden ab. Anhalten, innehalten oder sich Gedanken über die Zukunft machen? Nicht mit Les. Zumindest nicht, bis ihr Vater Bert (Christoph Maria Herbst) – mit dem sie eigentlich so gut wie keinen Kontakt hat – ganz unerwartet vor der Tür steht und nach einem Unfall sogar ungefragt für seine Tochter aufs Rad steigt. Als Les dann auch noch von ihrer ungeplanten Schwangerschaft erfährt, ist sie vollends in einer neuen Realität angekommen. Der werdende Vater Tyler hätte zwar Lust auf ein Kind, ist aber leider selbst noch eins. Les‘ Welt steht komplett Kopf – und dabei hat Bert ihr noch nicht einmal gesagt, dass er bald sterben wird.
Der Film läuft auch am Mi 09.09. | 19:30 Uhr im Kronenkino in Zittau.
Pressestimmen zum Film
„Sommer auf Asphalt“: Sommerleichte Vater-Tochter-Komödie über Selbstbestimmung, Familie und Zugehörigkeit
NDR.de // Walli Müller
Christoph Maria Herbst zeigt sich in „Sommer auf Asphalt“ ungewohnt leise und warmherzig: Die NDR-Produktion erzählt von einer ungeplanten Schwangerschaft, entfremdeten Eltern und der Frage, was Familie heute eigentlich bedeuten kann.
Soll sie oder soll sie nicht? Valeska, im Freundeskreis Les genannt, hadert mit der Entscheidung, ein Kind zu bekommen, das ihr so gar nicht in den Lebensplan passt. Und mit Babybauch auf dem Rennrad durch Hamburg sausen, ist auch nicht ideal.
Ungewöhnliche Konstellation mit Charme
Les, gespielt von Mala Emde, arbeitet als Fahrradkurierin. Sie liebt ihren Job und die kleine Firmen-Familie. Kollege Tyler ist ihr bester Freund und – eher zufällig – Vater des Babys. Eine Beziehung haben und wollen sie nicht. Les ist auch eher in Roya verliebt. Aber ein Kind? Gerne, sagt Tyler:
„Fuck, wie nice ist das denn? Also ich hätte schon Bock, Vater zu sein.“
„Du hättest Bock?“
„Ja, safe.“
„Aber ich werd’s nicht kriegen, ich dachte nur, es ist fair, wenn Du’s weißt.“
„Ey, Mann, ich bin auf jeden Fall ready, was los? Wir werden krasse Eltern, ey, let’s go!“
Aaron Hilmer hat als Tyler beim Rollenprofil die Jugend-Slang-Karte gezogen. Das ist ein bisschen aufgesetzt und anfangs eher nervig als amüsant. Aber man gewöhnt sich dran und fängt an, die Figuren ins Herz zu schließen.
Christoph Maria Herbst ganz ungewohnt
Da hat Les also kurz vor ihrem 30. Geburtstag diese große Lebensentscheidung zu treffen, und ausgerechnet jetzt steht unangemeldet ihr Vater Bert vor der Tür. Sie ist überbehütet bei ihm auf dem Dorf aufgewachsen, hat sich in der Großstadt freigestrampelt und über die Jahre von ihm entfremdet.
Es ist schön, Christoph Maria Herbst hier mal nicht in seiner gewohnten Rolle des schlagfertigen Zynikers zu erleben! Findet auch Herbst selbst: „Wenn ich König von Deutschland wär‘, hätte ich Herrn Herbst schon längst viel mehr gegen den Strich besetzt!“
Bert ist eher Typ Trauerkloß, ein bisschen steif und verdruckst. Bevor er mit dem wahren Grund für seinen Besuch herausrücken kann, hat Les einen Fahrradunfall. Und Papa Bert springt spontan als Kurier für sie ein.
„Sommer auf Asphalt“: Bekanntes Muster, charmant erzählt
„Sommer auf Asphalt“ ist eine Vater-Tochter-Komödie, die schwungvoll das Thema Familie erforscht. Einerseits: Wie schön es sein kann, die, die man schon hat, wiederzuentdecken. Andererseits: Wie auch Freunde Familie sein können. Es ist kein exklusiver Begriff, er gilt immer da, wo Menschen füreinander da sein wollen. Papa Bert gefällt das Konzept Wahl-Verwandtschaft so gut, dass er gar nicht wieder zurück in sein einsames altes Leben möchte.
Die plötzliche Sorge, den gesundheitlich angeschlagenen Vater zu verlieren, bringt nochmal eine neue Dynamik in die Beziehung der beiden. Mala Emde und Christoph Maria Herbst schaut man dabei gerne zu, weil sie die Figuren mit so viel Wärme und Leben füllen. „Sommer auf Asphalt“ ist – trotz bekannter Handlungsmuster – eine sommerleichte Komödie, die man lächelnd in Erinnerung behält. Oder wie Mala Emde es in der Talk-Show „3 nach 9“ so schön auf den Punkt brachte: „Das ist ein richtig schöner, guter Cheeseburger des Kinos.“
Feel-Good-Movie trotz schwergewichtiger Themen
film-rezensionen.de // Markus Solty
Valeska (Mala Emde) erfährt, dass sie schwanger ist – eine Nachricht, die ihr Leben gehörig durcheinanderwirbelt. Als selbstbestimmte Fahrradkurierin kann sie sich ein Kind kaum vorstellen. Noch komplizierter wird die Situation, als ihr Vater Norbert (Christoph Maria Herbst) überraschend vor ihrer Hamburger Wohnung steht und sich kurzerhand bei ihr einquartiert. Die Beziehung zwischen beiden ist angespannt, doch nachdem Valeska durch einen Unfall vorübergehend ausfällt, springt Norbert ein und übernimmt ihre Kurierfahrten. Dabei findet der eher konservative Vater überraschend schnell Anschluss an die skurrile und alternative Gemeinschaft der Pedalpiloten. Währenddessen ringt Valeska mit ihren Gefühlen zur Schwangerschaft, ihrer Beziehung zur Maklerin Roya (Gina Haller) und dem Vater des Kindes, ihrem Kollegen Tyler (Aaron Hilmer). Hinzu kommt ein Geheimnis, das Norbert zunächst verschweigt: Er leidet an einem unheilbaren Gehirntumor.
Mit Sommer auf Asphalt legt Regisseur Simon Ostermann nach mehreren Arbeiten fürs Fernsehen (Deutscher, Ein Fall für zwei: Paketbombe, Ein Fall für zwei: Kanalratten, Von uns wird es keiner sein) sein Kinodebüt vor. Anders als seine bisherigen Produktionen, die überwiegend im Krimi- und Dramafach angesiedelt waren, präsentiert er hier ein Feel-Good-Movie, das sich aber einer ganzen Reihe schwergewichtiger Themen annimmt: Generationenkonflikte, ungewollte Schwangerschaft, prekäre Lebensverhältnisse und eine tödliche Krankheit. Trotz dieser ernsten Ausgangslage setzt der Film vor allem auf Leichtigkeit und Wärme.
Der Film wirft zahlreiche Konflikte und Themenfelder auf, bleibt in deren Ausarbeitung jedoch oft an der Oberfläche. Viele Figurenkonstellationen wirken konstruiert und entfernen sich spürbar von einer glaubwürdigen Lebenswirklichkeit. Die Geschichte häuft immer neue Problemfelder an – von komplizierten Familienverhältnissen über Beziehungsfragen bis hin zu angedeuteten Traumata in den Nebenhandlungen. Hier hätten Drehbuchautor Brix Vincenz Löthe oder Romanautor Wolf Schmid, dessen Vorlage Pedalpilot Doppel-zwo als Grundlage dient, von einer stärkeren Fokussierung profitieren können. Weniger wäre in diesem Fall tatsächlich mehr gewesen.
Spielfreudiges Ensemble
Dennoch besitzt Sommer auf Asphalt durchaus Charme. Das liegt vor allem an seinem Ensemble, das auch schwächere Dialogpassagen mit viel Spielfreude auffängt. Christoph Maria Herbst bewegt sich dabei in vertrautem Terrain und liefert genau jene Mischung aus Schrulligkeit und Herzenswärme, die sein Publikum von ihm erwartet. Wer seine typischen Rollen mag, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Mala Emde überzeugt als junge Frau auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, während Aaron Hilmer seinem zunächst etwas kindsköpfig wirkenden Tyler überraschend viel Tiefe verleiht. Gina Haller bleibt als Roya vergleichsweise blass, was allerdings auch der begrenzten Ausgestaltung ihrer Figur geschuldet ist.
Seine stärksten Momente hat der Film dann, wenn Norbert als Fahrradkurier unterwegs ist und auf die liebenswert-skurrilen Mitglieder der Kuriergemeinschaft trifft. In diesen Szenen entwickelt Sommer auf Asphalt jene Leichtigkeit und Wärme, die er über weite Strecken anstrebt. Auch das letzte Drittel findet schließlich die richtige Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Zwei überraschende Cameo-Auftritte sorgen zusätzlich für frische Akzente und helfen dabei, über manche erzählerische Schwäche der ersten Stunde hinwegzusehen.
So bleibt am Ende ein sympathischer Sommerfilm, der zwar mehr Themen anreißt, als er tatsächlich vertiefen kann, dessen Herz aber am rechten Fleck sitzt. Sommer auf Asphalt ist keine große Kinokunst, bietet jedoch kurzweilige, angenehm unaufgeregte Unterhaltung für rund 90 Minuten – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.