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Vorschau | Dokfilm: Was haben wir gelacht

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D 26, R: Eva Müller, FSK: 12, 103 min

Kneipe mit kleinem Speisenangebot ab 18 Uhr

Diese Film erzählt die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, für sexistische Pointen herhalten mussten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt. Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter geprägt – „Wetten, dass …?”, die „Harald Schmidt Show” und später “TV total”. Eine erhellende, spannende Zeitreise, bei der einem angesichts der „Normalität“ von damals heute oft einfach die Spucke wegbleibt.

Pressestimmen zum Film

Film „Was haben wir gelacht“ – Schockierendes Zeitdokument

Mit „Was haben wir gelacht“ kommt ein beeindruckender Dokumentarfilm über Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen ins Kino. Er zeigt vor allem, was Humor mit Macht zu tun hat.

stern.de // dpa

Irgendwann wird es Esther Schweins zu viel und sie kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Es sind wohl Tränen der Wut, denn sie bezeichnet Harald Schmidt mit einem nicht sonderlich schmeichelhaften Schimpfwort. Auslöser ist eine Szene aus Schmidts Show, in der er Moderatorin Bettina Böttinger mit einer Klobrille verglich – und Böttingers verletzte Reaktion darauf. Er hatte gefragt, was die Zeitschrift „Emma“, eine Flasche Eierlikör, eben jene Klobrille und Böttinger gemeinsam haben. Seine Antwort: „Die würde kein Mann freiwillig anfassen.“

Der wütend-traurige Ausbruch von Esther Schweins ist der emotionale Höhepunkt des Films „Was haben wir gelacht“, der jetzt in die Kinos kommt. Der Dokumentarfilm von Eva Müller und Isabelle Schneider, der auf dem Filmfest München seine Weltpremiere feierte, befasst sich mit der Frage, wie es für Frauen war im deutschen Showgeschäft der 1990er und frühen 2000er Jahre und wie hart der Kampf um Sichtbarkeit im Comedy-Geschäft.

Humor ist Macht

Davon erzählen – neben Schweins, die mit „RTL Samstag Nacht“ ihren Durchbruch hatte, und Böttinger – die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann und die Komikerinnen Gaby Köster und Hella von Sinnen. Sie alle erinnern sich daran, wie es war, in einer männerdominierten Branche für die Sichtbarkeit von Frauen zu kämpfen und für weiblichen Humor. Denn Humor, das stellten sie alle fest, bedeutet Macht. Wer entscheidet, worüber gelacht wird, hat die Deutungshoheit.

„Heute fällt viel stärker auf als damals: Es waren vor allem Männer. Der Witz um 20.15 Uhr war dem Mann vorbehalten“, schreiben die Regisseurinnen über ihren Film.

Als „eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt“ beschreibt die Produktionsfirma den Film sehr treffend. Er ist das Dokument einer noch gar nicht so lange vergangenen Zeit, in der ganze Generationen durch ausschließlich männlich geprägtes Unterhaltungsfernsehen sozialisiert worden waren – von Schmidt, Gottschalk, Stefan Raab – und der männliche Blick dominierte.

Thomas Gottschalk und die Hand auf dem Knie

Die inzwischen berüchtigten Hand-aufs-Knie-Szenen auf Thomas Gottschalks „Wetten, dass..?“-Couch sahen schließlich Show für Show Millionen von Zuschauern, ohne sich damals irgendwie daran zu stören. Heute sind die Szenen, vor allem in der Geballtheit, in der der Film „Was haben wir gelacht“ sie zeigt, nur noch sehr schwer zu ertragen. Schlimmer ist da nur eine Szene, in der Harald Schmidt Model Monica Ivancan in den Bauchnabel spuckt.

„Ob privat oder öffentlich-rechtlich, unsere Recherche zeigte schnell: Humor auf Kosten von Frauen war in den Shows der 90er und 00er Jahre allgegenwärtig und reichte von Anzüglichkeiten und platten Schenkelklopfern bis hin zu Witzen über sexuelle Belästigung“, schreiben die Filmemacherinnen. Und: „Immer wieder wurde auch über Gewalt gegen Frauen gelacht.“ Als Beispiel zeigt der Film Rudi Carrell in „Sieben Tage, sieben Köpfe“.

„Was haben wir gelacht“ – oder auch nicht? Wie oft lachten Frauen mit, obwohl sie sich miserabel fühlten? Und wie oft bleibt das Lachen bei den alten Szenen heute im Hals stecken.

Der Film ist ein berührendes, beinahe schockierendes Dokument einer Zeit geworden, die noch gar nicht lange vergangen ist – und womöglich längst dabei ist, zurückzukehren. Die Produktionsfirma schreibt: „Angesichts eines spürbaren gesellschaftlichen Backlashs, in dem alte Rollenbilder wieder an Boden gewinnen, wird der Kampf dieser fünf Frauen zum Statement für die Gegenwart.“


Dokumentarfilm schaut in die 90er Jahre zurück

Übergriffiges Verhalten und grenzüberschreitender Humor: Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ zeigt, was Frauen im Fernsehen der 90er und 00er Jahre aushalten mussten und wie diese Darstellungen Rollenbilder geprägt haben.

Von Theresa Gunkel // www1.wdr.de

Für ihre neue Dokumentation haben sich die Filmemacherinnen Eva Müller und Isabel Schneider in die Archive begeben. Dabei haben sie jede Menge Material gefunden, das wütend macht. Frauen im Fernsehen sollten damals vor allem lächeln und gut aussehen. Auch wenn auf ihre Kosten Witze gemacht wurden oder die Hand vom Talkshow-Moderator mal wieder auf dem eigenen Knie landete.

„Man wundert sich streckenweise, dass man dabei gewesen ist“, erzählt Regisseurin Eva Müller, die in den 90ern ein Teenager war und die Unterhaltungssendungen noch in Erinnerung hat. Mit der Dokumentation wolle sie zeigen, wie diese Szenen bestehende Geschlechterrollen geprägt und verstärkt haben.

„Heute sitzt man davor und denkt: Krass, dass das einmal möglich war!“

Im Film kommen fünf Protagonistinnen der deutschen Fernsehgeschichte zu Wort. Drei von ihnen kommen aus NRW: Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und Gaby Köster. Außerdem berichten Esther Schweins und Maren Kroymann von ihren Erfahrungen in der Unterhaltungsbranche.

Sexistische Witze waren Normalität

Wie tief sexistische Witze dort verankert waren, zeigt eine Szene aus der „NDR Talk Show“ mit dem Journalisten und Moderator Giovanni di Lorenzo, heute Chefredakteur der „Zeit“. Er blättert vor laufender Kamera in einem Versandhauskatalog, in dem Esther Schweins als Model zu sehen ist, und spielt mit einer beigelegten Lupe für sehbeeinträchtigte Menschen. Anschließend stellt er die Frage in die Runde, ob die Lupe wohl dafür da sei, um Schweins besser in den Ausschnitt schauen zu können.

Schweins sagt rückblickend, dass durch solches Verhalten, beide Geschlechter verletzt wurden: Frauen und Mädchen lernten damit, dass ihr Wert an ihrem Körper hängt. Jungen und Männer, dass diese Bewertung in Ordnung ist. Im Film erinnert sie sich, dass sie die Witze und Anspielungen häufig weggelächelt hat.

Herausforderung Kölner Karneval

Dass man nicht nur über, sondern auch mit Frauen lachen kann, war damals keine massentaugliche Idee. Frauen wurden eher als unlustig abgestempelt. Hella von Sinnen erinnert sich in der Doku daran, wie bei ihren Auftritten beim Kölner Karneval Männer den Saal verließen, sobald sie die Bühne betrat. Keine frauenfeindlichen Witze zu machen, war damals ein Regelbruch, erinnert sie sich in der Dokumentation.

Gleichberechtigung noch nicht in Sicht

Hat sich das Unterhaltungsfernsehen seitdem grundlegend verändert? Teilweise, meint Eva Müller. Noch vor wenigen Jahren wurde öffentlich gefragt: „Wo sind denn die lustigen Frauen im Fernsehen?“ Wer „Was haben wir gelacht“ sieht, merkt: Es lag selten daran, dass es die lustigen Frauen nicht gab – vielmehr waren ihnen die Wege zu großen Sendeplätzen oft versperrt.

Zur besten Sendezeit moderieren aber auch noch heute meist Männer die großen Shows. Lustige Frauen suchen sich ihre Nischen häufig im Internet. Von Sinnen betont in der Dokumentation auch, dass das nicht reicht. Denn die weibliche Perspektive ist eine andere. Sie bringen andere Themen und Pointen ein, die sonst fehlen.

Sexismus noch immer aktuell

Beim Blick in die Archive fand das Team um Eva Müller Sketche, die erschreckend aktuell sind. Etwa Maren Kroymanns Satire über Sexismus am Arbeitsplatz, die man heute noch immer fast unverändert ausstrahlen könne. Sexistische Witze gehören auch heute leider nicht der Vergangenheit an. Zuletzt stand der Kabarettist Dieter Nuhr in der Kritik. Er hatte in seinem Bühnenprogramm Witze über Femizide gemacht. Kritisiert wurde er dafür vor allem in den Sozialen Medien.