Veranstaltungen

Einführung in den Dialogprozess

Wer kennt sie nicht – die Diskussionen und Debatten, aus denen wir frustriert nach Hause gehen, weil sie hauptsächlich darin bestanden haben, sich ins Wort zu fallen und Recht haben zu wollen? Der  Dialogprozess (kurz „Dialog“) ist eine an David Bohm und Martin Buber angelehnte Form der Kommunikation für Gruppen, bei der es weder um Überzeugen, Rechthaben oder Gewinnen geht, noch um rhetorische Brillanz, Schlagkraft oder Schnelligkeit, sondern um Verständigung, Transparenz und gemeinsames (Weiter-)Denken. Dabei sind das Einander-Zuhören und die Verlangsamung des Gesprächsprozesses von großer Bedeutung.

In unserem Tagesworkshop werden wir mehr über den Hintergrund der Dialog-Methode erfahren, dialogische Qualitäten und Kernfähigkeiten erkunden und sie in einem anschließenden gemeinsamen Dialog erproben. Eingeladen sind alle, die Interesse haben, in den in der Kulturfabrik Meda laufenden Dialogprozess einzusteigen, wie auch Menschen, die dialogische Qualitäten in ihren Alltag bringen wollen oder vorhaben, eigene Dialogprozesse anzustoßen.

Leitung: Veronika Kirchmaier
Der Workshop ist kostenfrei. Mittagessenangebot für 9,00 €.


Zehn Kernfähigkeiten im Dialogprozess

1. Die Haltung eines Lerners verkörpern
Diese Fähigkeit ermöglicht es uns, wieder neugierig zu sein und unsere kulturelle
Konditionierung, als Wissende aufzutreten, abzulegen. Der Zen-Meister Shunryu Suzuki
hat es folgendermaßen formuliert: “Im Anfängergeist gibt es viele Möglichkeiten. Im Geist
des Experten gibt es wenige.”

2. Radikaler Respekt
Respekt heißt für uns, die andere Person in ihrem Wesen als legitim anzuerkennen.
Respekt ist aktiver als Toleranz: ich bemühe mich darum, die Welt aus der Perspektive
des anderen zu betrachten.

3. Offenheit
Dies bedeutet, die Bereitschaft mitzubringen, offen zu sein für neue Ideen, andere
Perspektiven, offen dafür, lang gehegte Annahmen in Frage zu stellen.

4. Sprich von Herzen
Damit ist gemeint, dass ich von dem spreche, was mir wirklich wichtig ist, mich
wesentlich angeht. Ich rede nicht, um rhetorisch zu brillieren, zu theoretisieren, einen
Vortrag zu halten. Ich fasse mich kurz.

5. Zuhören
Hier geht es um qualitatives Zuhören: das heißt, ich lausche dem anderen so vorbehaltlos
wie möglich, sowie mit empathischer Zugewandtheit, welche den Sprechenden einlädt,
seine eigene Welt vertrauensvoll sichtbar zu machen.

6. Verlangsamung
Im Dialog wollen wir unseren automatischen gedanklichen und emotionellen Muster auf
die Schliche kommen. Ohne Verlangsamungsprozess sind wir dazu kaum in der Lage.

7. Annahmen und Bewertungen “suspendieren”
Unsere individuell unterschiedlichen Glaubenssätze, Interpretationen und Annahmen
liefern den Zündstoff für endlose Missverständnisse und Konflikte. Im Dialog üben wir,
unsere Annahmen und Bewertungen offenzulegen und in der Schwebe zu halten.

8. Produktives Plädieren
Dies ist eine Einladung dazu, die Wurzeln meines Denkens und Fühlens auszusprechen.
Ich benenne also nicht nur das “Endprodukt” (ein Statement), sondern auch die
Annahmen, Bewertungen, Vorurteile sowie Beobachtungen, die mich dazu geführt haben.

9. Eine erkundende Haltung üben
Ich gebe meine Rolle als Wissende/r auf und entwickle echtes Interesse an dem, was
anders ist als ich es bereits kenne. Damit ist eine Haltung von Neugier, Achtsamkeit und
Bescheidenheit gemeint: “Ich weiß nicht, doch möchte ich gerne darüber erfahren.”

10. Den Beobachter beobachten
Dies bedeutet, dass ich mich im Dialogprozess selbst beobachte und mich darum bemühe,
mir meiner eigenen Denk-, Gefühls-, und Reaktionsmuster bewusst zu werden.